SEO: Gott Google kennt keine Gnade

Immer noch glauben manche, sie könnten den Suchmaschinenriesen austricksen. Immer noch kursieren diese hanebüchenen Tipps, wie man sein Google-Ranking ganz leicht verbessern könne. Google selbst wird nicht müde, davor zu warnen. Und trotzdem begegnen mir noch heute Leute, die ganz stolz von ihren „SEO-Tricks“ erzählen. Die Google-Klatsche wird auch sie treffen. Garantiert.

Ein (leider immer noch alltägliches) Beispiel: Der Betreiber einer Website für den Vergleich von Tagesgeldanbietern will unter der Keywordkombi „tagesgeld“, „vergleich“ und „kostenlos“ bei Google ganz oben erscheinen. Zuerst stopft er die Begriffe in seine Meta-Tags, dann schreibt er sie dutzendfach in transparenter Schrift auf seine Site und packt sie schließlich noch versteckt in den Footer-Bereich.

Da geht noch mehr: Er setzt wahllos in Blogkommentaren und Foren Links auf seine Site. Sein Irrglaube: Das häufige Setzen der Keywords sowie viele Backlinks lassen ihn in den Suchergebnissen ganz oben auftauchen.

Steinzeit-SEO: Wir hatten ja nichts!

In grauer Vorzeit haben manche dieser Tricks tatsächlich funktioniert. Googles Algorithmus war simpler als heute und reagierte recht zutraulich auf derartige Keyword- und Backlink-Ansammlungen. Jedoch ist es seit jeher Googles Ziel, die bestmöglichen Suchergebnisse zu liefern. Die Qualität einer Website bestimmt sich über ihre Inhalte und über hochwertige und natürliche (!) Backlinks. Nicht über die Häufigkeit von Keywords und unnatürlichen Backlinks.

Zuerst verbesserte Google seinen Algorithmus für den OnPage-Bereich (= Optimierungsmaßnahmen direkt auf der Website). Die Meta-Keywords wurden völlig entwertet: Mittlerweile kann man alles reinschreiben, Gedichte, Kochrezepte, Liebesbriefe oder 1500mal dasselbe Keyword. Es interessiert Google nicht die Bohne. Viele Content Management Systeme bieten das Feld „Meta-Keywords“ nach wie vor an. Könnt ihr ignorieren, ihr braucht es nicht (Title und Description braucht ihr aber auf jeden Fall).

Dann sensibilisierte Google seine Antennen für solche Späße wie „Weiße Schrift auf weißem Grund“ oder Keyword-Stuffing (das massenhafte Platzieren von Keywords auf der Website). Hier war es mit Ignoranz wie bei den Meta-Keywords nicht getan, Gott Google reagierte stattdessen mit Zorn und Strafe: Wer trickst, kriegt eine Klatsche.

Google greift hart gegen SEO-Manipulationen durch
Googles Zorn: Es braut sich was zusammen. (© M. Sauermann)

Die Höchststrafe ist die De-Indexierung: Eure Website fliegt kurzerhand aus dem Google-Index. Heißt: Eure Online-Präsenz kann bei Google nicht mehr gefunden werden. Sistrix bietet eine schöne Übersicht zu den Google-Penalty-Arten.

Wo kein Kläger, da kein Richter?

Nope. So eine Einstellung ist mit russisch Roulette vergleichbar. Dass es Google ernst meint mit seinem Qualitätsanspruch und seinen Sanktionen, hat es bereits 2006 bewiesen: Da schmiss man einfach mal den Neuwagenbereich von www.bmw.de aus dem Index. Ja, BMW. Deren Neuwagenbereich war nicht mehr existent bei Google. Grund: Manipulation. Folge: Google knockte BMW aus.

Bei aller berechtigten Kritik am Suchmaschinenriesen, eines muss man der Truppe aus Mountain View zugutehalten: Es ist Google egal, ob es sich um die Website der Bäckerei Müller von nebenan oder um die Online-Präsenz eines Weltkonzerns handelt. Wer trickst, wird abgestraft. Vor Gott und Google sind alle gleich.

"Backlinks, frische Backlinks, jetzt im Sonderangebot!"

Ein Backlink ist ein Link einer anderen Website auf eure Website. Für Google ist das eine Empfehlungs-Logik: Wenn die hochwertige Website A auf Website B verlinkt, muss Website B auch gut sein.

„Mensch, toll!“, dachten sich findige Zeitgenossen, „Da setze ich doch einfach in Blogs, Foren und Artikelverzeichnissen wahllos Links auf meine eigene Website!“ Andere hatten Dollarzeichen in den Augen und eröffneten ein Business für Linkkauf und -verkauf: „500 Backlinks für 1000 Euro“. Die Rechnung ging tatsächlich auf, manche hat das richtig reich gemacht. Dass es sich bei den verlinkenden Websites oft um minderwertige und zwielichtige Online-Präsenzen handelte? Nun ja, das wollten oder konnten die Käufer nicht sehen.

Seit geraumer Zeit straft Google solche Aktionen ebenfalls massivst ab. Die gesamte OffPage-Optimierung (= Backlinkaufbau) ändert sich momentan radikal. Manche meiner SEO-Kollegen sehen die Tage des klassischen Linkbuildings bereits gezählt. Und ja, auch im OffPage-Bereich gibt es prominente Opfer der Google'schen Sanktionen: Jüngst erwischte es das Online-Reisebüro expedia.com.

SEO? Ja, nee, is' klar!

Okay: Es gibt romantischere Themen als SEO ;-). Für die unter euch, die tapfer durchgehalten haben, aber immer noch ein großes „Hä?“ vor ihrem geistigen Auge sehen, gibt es jetzt zwei leicht verdauliche SEO-Schoko-Cookies:

Wenn ihr euch nur eine einzige OnPage-SEO-Regel merken wollt, sollte es diese sein:
➧ Jede Maßnahme, die den Besuchern eurer Website überhaupt nichts bringt, sondern nur für Google gedacht ist, kann eine Google-Strafe provozieren. Es gilt immer (!) die alte Honda-Regel: Erst der Mensch (User), dann die (Such-)Maschine.

Und eine einzige OffPage-SEO-Regel:
➧ Jede Form von unnatürlichem Backlinkaufbau (Kauf, Tausch, Spamming) provoziert eine Google-Strafe.

It's as simple as that. Wollen euch selbsternannte SEO-Experten etwas anderes erzählen, solltet ihr schleunigst den Dienstleister wechseln. Ich rate stets jedem Website-Verantwortlichen, sich ein zumindest kleines SEO-Knowhow anzueignen. So schützt ihr euch vor den Bad Guys und Halsabschneidern da draußen (es gibt sie leider nach wie vor).

Meine Lese-Tipps in Sachen SEO-1x1:

Gott Google kennt keine Gnade...

...aber Vergebung. Sollte eure Website abgestraft worden sein, könnt ihr es wieder zurechtbiegen: Ihr müsst bei Google einen Antrag auf erneute Prüfung stellen.

PS: Ein Small-Talk-Tipp für die nächste Cocktail-Party: Manipulatives SEO nennt man "Black-Hat-SEO", sauberes SEO dagegen "White-Hat-SEO". Grund: Im Western tragen die bösen Jungs schwarze und die guten Jungs weiße Hüte. Die guten Jungs bleiben übrigens am Leben und kriegen die tollsten Mädels. Suchmaschinenoptimierung ist also doch romantisch.

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Mathias Sauermann

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