So twitterten die alten Ägypter: Ein Besuch im Museum für Kommunikation Nürnberg

Töne, Bilder, Schrift, Internet: Wie kommuniziert der Mensch? Das Museum für Kommunikation Nürnberg bietet eine faszinierende Zeitreise durch die Epochen menschlicher Verständigung. Ich ging an Bord.

400 Objekte zeigen auf einer Fläche in der Größe von sieben Tennisplätzen die Geschichte der Kommunikation: vom ersten Telefon bis zum Smartphone, vom Schwarzweiß-Fernseher bis zum High-End-Flat-TV, von einer altägyptischen Grabkammer bis zum World Wide Web.

Ich traf mich mit Pressesprecherin Dr. Vera Losse und Museumspädagogin Elke Schneider im Ausstellungsgebäude in der Lessingstraße 6 – ganz in der Nähe des Nürnberger Hauptbahnhofs. 90 Minuten lang führten mich die beiden durch eine spannende und begeisternde Ausstellung, die ihr gesehen haben solltet.


Das Museum für Kommunikation Nürnberg
Das Museum für Kommunikation Nürnberg bietet große und atmosphärische Ausstellungsräume. (© Museumsstiftung Post und Telekommunikation / Foto: Mile Cindric)

Frau Dr. Losse, Frau Schneider, was bietet das Nürnberger Museum für Kommunikation?


Elke Schneider: Wir haben vier große Bereiche: Die Ausstellung startet mit den Grundlagen der Kommunikation und geht über in den blauen Bereich. Hier erleben die Besucher das Hören und Sprechen. Wir zeigen zum Beispiel die Entwicklung vom ersten Telefon bis zum Smartphone. Es folgt der grüne Bereich mit dem Schwerpunkt Sehen und Zeigen: TV-Geräte aller Epochen sowie ein kleines TV-Studio zum Ausprobieren sind hier die Highlights. Der rote Bereich beschäftigt sich mit dem Schreiben und Lesen: Glanzlicht ist die originalgetreu nachgebildete, altägyptische Grabkammer des Sennedjem. Den Abschluss bildet der silbergraue Bereich, die Netzwelten: Hier dreht sich alles um Computer, Internet und Digitales.


Museum für Kommunikation Nürnberg: Die Grabkammer des Sennedjem.
Die Grabkammer des Sennedjem. (© Museumsstiftung Post und Telekommunikation / Foto: Mile Cindric)

Bitte schildern Sie uns die Geschichte des Museums.


Dr. Vera Losse: Zwischen 1899 und 1902 baute das Königreich Bayern das "Königlich Bayerische Verkehrsmuseum" auf. Die "Abteilung des Post- und Telegraphenwesens" legte den Grundstein für das heutige Museum. Seit 1995 gehört das Nürnberger Museum für Kommunikation zur Museumsstiftung Post und Telekommunikation – zusammen mit den Schwestermuseen in Berlin und Frankfurt am Main sowie dem Archiv für Philatelie in Bonn. Die Stifter sind die Deutsche Post und die Deutsche Telekom.

Ein Fernsehgerät von 1937 im Museum für Kommunikation Nürnberg.
Ein Fernseher von 1937 ...

Ein Computer von 1981 im Museum für Kommunikation Nürnberg.
... und ein PC von 1981. (© Museumsstiftung Post und Telekommunikation / Foto: Mile Cindric)

Woher beziehen Sie die Ausstellungsstücke?

Dr. Vera Losse: Die Museumsstiftung besitzt sehr große Sammlungen und Depots zu den verschiedensten Aspekten der Post- und Kommunikationsgeschichte. Es wird laufend zugekauft. Vieles kommt auch aus privaten Nachlässen. Oder von Firmenauflösungen, wie zum Beispiel alte Telefonanlagen. Unsere Fachreferenten prüfen, ob die Stücke unsere Bestände sinnvoll ergänzen.


Das Museum für Kommunikation Nürnberg.
Das Museum für Kommunikation Nürnberg.
Internet & World Wide Web bilden die vierte Station im Museum für Kommunikation Nürnberg. (© Museumsstiftung Post und Telekommunikation / Foto: Mile Cindric)

Sollen die Besucher nur Zuschauer oder auch Nutzer sein?


Elke Schneider: Interaktion ist uns ganz, ganz wichtig. So können die Besucher zum Beispiel in unserem grünen Bereich Nachrichtensprecher spielen. Wir zeichnen die Auftritte auf und schicken sie ihnen per E-Mail.

Dr. Vera Losse: Ein Drittel unserer Ausstellung zeigt Objekte, das zweite Drittel bietet Mitmachstationen und das letzte Drittel bietet Medienstationen, an denen die Besucher Inhalte vertiefen können. Wir haben viele junge Besucher, orientieren uns an Familien und Schulklassen. Aber auch unsere Medienworkshops 50 plus kommen in der Zielgruppe sehr gut an. Und unsere Rohrpostanlage weckt auch in gestandenen Führungskräften den Spieltrieb (lacht).

Ein C64 im Museum für Kommunikation Nürnberg.
 Eine ganz tief verankerte Kindheitserinnerung eures Bloggers: der Commodore 64 (C64). (© Museumsstiftung Post und Telekommunikation / Foto: Mile Cindric)

Welche Rolle spielt das Thema Medienkompetenz?

Elke Schneider: Eine ganz zentrale Rolle. Wir konzentrieren uns auch auf die Frage, was der Mensch aus der jeweiligen Technik macht. Das heißt etwa beim Thema Telefonie: Wir zeigen nicht die Geschichte des Telefons, sondern die Geschichte des Telefonierens.

Dr. Vera Losse: Wir stehen nicht mit erhobenem Zeigefinger da, wollen Themen wie Mediennutzung und Medienkompetenz aber kritisch hinterfragen. Wir möchten ein Bewusstsein dafür schaffen, dass der heutige Mensch ständig entscheiden muss, mit welchem Medium er gerade am sinnvollsten kommuniziert.

Das Museum für Kommunikation Nürnberg.
Das Museum für Kommunikation Nürnberg: hingehen, anschauen, begeistern lassen! (© Museumsstiftung Post und Telekommunikation / Foto: Mile Cindric)

Was sind in Ihren Augen die revolutionären und innovativen Aspekte des Internet?

Elke Schneider: Die Vielfalt der Nachrichten und seine Multimedialität. Der Einzelne ist nicht nur Konsument, sondern auch Produzent.

Frau Dr. Losse, Frau Schneider, vielen Dank für dieses Gespräch und die tolle Führung.


Link-Tipps:

Kommentare

Mathias Sauermann

Mathias Sauermann
...bloggt hier.
>NEWSLETTER: Sichere dir die besten Beiträge meines Blogs >gratis und freibleibend!

Weitere spannende Beiträge dieses Blogs findest du in den Rubriken:
Online-Marketing-Tipps
Digitalisierung

Meinung!
Onliner-Allerlei


Titelbild: Digital Art unter CC0 1.0