Triumph-Gezwitscher oder Abgesang: Warum Twitter jetzt abheben muss

Der Kurznachrichtendienst greift an: endlich den deutschen Markt knacken, endlich zu Facebook aufschließen. Mit der angekündigten Frischzellenkur könnte das gelingen. Wohin geht die Twitter-Reise und wie erfolgreich wird sie sein?


Twitter ging Ende 2013 an die Börse
(A Twitter Banner von Anthony Quintano unter CC BY 2.0)

Zunächst ein paar Fakten zu der Microblogging-Plattform (Quellen: Wikipedia, statista & internetworld.de):

➧ 2006 gründeten Jack Dorsey, Biz Stone, Evan Williams und Noah Glass das heutige Twitter unter dem Namen "twttr".

➧ "to twitter" bedeutet "zwitschern" oder "piepen".

➧ Facebook gehörte zu den ersten Twitter-Investoren.

➧ Ende 2013 ging Twitter an die Börse, der Erlös lag bei rund 1,8 Milliarden US-Dollar.

➧ Der Umsatz im 2. Quartal 2014 betrug rund 312 Millionen US-Dollar, hauptsächlich werbegetrieben.

➧ Dem gegenüber stand im selben Zeitraum ein Nettoverlust von rund 145 Millionen US-Dollar.

➧ Im 2.Quartal 2014 hatte Twitter monatlich weltweit rund 271 Millionen User.

➧Barack Obama hat auf Twitter rund 46 Millionen Follower.

(Noch) keine Liebe: Twitter & Deutschland

Der Deutsche an sich ist skeptisch und von einem nach ihm benannten Muffensausen ("German Angst") getrieben. Deshalb hält er das Internet für einen bösen Ort. Mit Facebook hat er sich mittlerweile ein bisschen angefreundet. Aber Twitter?

Ein paar Fakten (Quelle: netzoekonom.de):
  • 2013 waren in Deutschland nur rund 7 Prozent der Nutzer täglich auf Twitter unterwegs.
  • 50 Prozent der 3,9 Millionen deutschen Twitter-Nutzer besuchten die Site seltener als einmal im Monat.
  • 70 bis 80 Prozent der Menschen, die sich bei Twitter anmelden, kehren der Plattform wieder den Rücken.
Auch wenn die Beziehung zwischen Twitter und den Teutonen kompliziert ist, gibt es dennoch zwei kleine Erfolgsstorys:

Der Sonntagabend gehört auf Twitter dem Hashtag #Tatort. Die Krimi-Jünger kommentieren munter das Bildschirm-Geschehen.


Und dann gab es da noch die Fußball-WM: Elf deutsche Herren rannten einem Ball hinterher. Im Sommer 2014 wurde diese Truppe Weltmeister, was in Deutschland einen relativen Twitter-Boom auslöste. Ein paar Fakten (Quelle: netzoekonom.de)
  • Während der WM-Wochen stiegen die Twitter-App-Installationen spürbar an.
  • Ebenfalls nach oben schnellten die Follower-Zahlen von Mesut Özil (knapp 8 Millionen), Lukas Podolski (2,1 Millionen) und Manuel Neuer (knapp 2 Millionen).

    Die Microblogging-Plattform weiß, dass sie auf den deutschen Markt angewiesen ist. Zitat des Twitter-Managers Ali Jafari (Quelle: faz.net):

    "Es wird für uns schwer, in Europa erfolgreich zu sein, wenn wir nicht in Deutschland erfolgreich sind."

    Der Kurznachrichtendienst erweiterte kurzerhand sein Deutschland-Team: Neben Berlin bekam auch Hamburg nun ein Twitter-Büro.

    Die Frischzellenkur

    Twitter-CFO Anthony Noto sagte jüngst, dass die chronologische Anordnung der Tweets nicht immer relevante Informationen biete und interessante Inhalte verloren gingen. Ein neuer Relevanz-Algorithmus soll das ändern. Zusätzlich soll eine Überblickseite mit Empfehlungen und beliebten Tweets für Orientierung sorgen.


    Gefällt mir! Warum? Weil Twitter seine User momentan noch mit einem Informations-Tsunami erschlägt: Unablässig schiebt es ungefiltert unzählige Posts über den Bildschirm, vieles davon so gehaltlos, dass selbst Facebook wie eine Philosophen-Hochburg dagegen wirkt.

    Einzig die (umständliche) Listenfunktion und die Hashtags brachten etwas Ordnung ins Chaos. Aber mal ehrlich: Wirklich benutzerfreundlich war das nie.

    Auch die Interaktion – ein Hauptwesensmerkmal der Social Media – leidet: Tweets zu retweeten, zu favorisieren oder zu kommentieren scheint wenig ergiebig, verschluckt der Informations-Tsunami doch alles und spült es sogleich in den digitalen Orkus.

    Deshalb: Time for a change!

    Wohin geht die Twitter-Reise?

    Es ist höchste Zeit, den Zwitscherdienst auf Kurs zu bringen: Newcomer-Plattformen wie Pinterest kämpfen ebenfalls um einen Platz in der Social-Media-Champions-League. Der Otto-Normal-Verbraucher wird sich auf eine begrenzte Anzahl von Plattformen konzentrieren.

    Twitter scheint der ewige Aufstiegskandidat zu sein, hängt aber nach wie vor in der 2. Liga fest. Ich bin gespannt auf die angekündigten Twitter-Veränderungen. Triumph-Gezwitscher oder Abgesang? Die kommenden Monate werden es zeigen.

    Kommentare

    Mathias Sauermann

    Mathias Sauermann
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