Start-up-Szene Nürnberg: "lokalherz ist eine Web-Plattform für soziales Engagement!"

Tue Gutes und sprich darüber 2.0. Die beiden Nürnberger Alexander Roth (43) und Susanne Salampasidis (33) bringen das Sponsoring ins digitale Zeitalter: Auf ihrer Online-Plattform lokalherz treffen Vereine und Organisationen, die Sponsoren suchen, auf Unternehmen und Privatpersonen, die sponsern wollen. Mehr Details, bitte!

Ich traf mich mit Alexander in der Bucher Straße – einer der Nürnberger Hauptverkehrsadern zwischen den Stadtteilen St. Johannis und Gärten hinter der Veste. 80 Minuten lang unterhielten wir uns über lokalherz, das Gründen eines Web-Start-ups, die Nürnberger Web-Szene – und Non-Hipster-Namen, die beim Jogging entstehen.

lokalherz-Initiator Alexander Roth
Alexander Roth startete zusammen mit Susanne Salampasidis
die Nürnberger Sponsoring-Plattform lokalherz.

Alexander, was ist lokalherz, wer kann was auf eurer Website machen?
lokalherz ist eine Web-Plattform für soziales Engagement. Auf der einen Seite stehen regionale Vereine, Gruppen und Organisationen, die für ihre Projekte Gelder benötigen. Auf der anderen Seite stehen Unternehmen und Privatpersonen, die sich mit gezieltem Sponsoring regional engagieren wollen. lokalherz bringt Macher und Unterstützer zusammen und vereinfacht insbesondere das lokale Sponsoring.

Wie verdient lokalherz dabei Geld?
Wir planen zwei Ertragssäulen: Zum einen bekommen wir eine Provision pro vermitteltem Sponsoring. Zum anderen werden wir den Unternehmen neben dem kostenlosen Basis-Account auch kostenpflichtige Premium-Accounts anbieten.

Wer macht bei euch was im Team?
Wir sind gegenwärtig zu zweit. Susanne ist der technische Kopf von lokalherz, sie entwickelt die Website und ist bereits seit 2008 mit ihrem Unternehmen portalias selbstständig. Wir haben in den letzten Monaten das Geschäftskonzept entwickelt und immer wieder mit Vereinen und Unternehmern abgestimmt. Jetzt müssen wir von der Theorie in die Praxis, daher starten wir im Oktober mit einem Piloten. Anhand der Ergebnisse entwickeln wir das Projekt weiter und wollen Mitte 2015 gründen. Meine Aufgabenfelder sind Konzeption, Vertrieb und Marketing. Anfangs hatten wir noch einen dritten Kollegen, der aber aus beruflichen Gründen ausgestiegen ist.


Die Startseite der bald startenden lokalherz-Pilot-Website
Die Homepage der bald startenden lokalherz-Pilot-Website.

Wie kamt ihr auf den Namen lokalherz?
Er ist mir beim Jogging eingefallen (lacht). Wir wollten keinen Hipster-Namen, sondern etwas, das die Mitte der Gesellschaft anspricht. Dazu kam noch der Slogan "Gemeinsam, gut und gerne". Ich bin sehr glücklich mit unserem Namen, wir bekommen zu 100 Prozent positives Feedback.

Wo ist lokalherz aktiv?
2014 konzentrieren wir uns auf Nürnberg, Fürth und Erlangen. Ab Januar 2015 wollen wir auch die Landkreise erschließen. Bis Ende 2015 wollen wir nordbayernweit agieren, das setzt aber genügend Teilnehmer in diesen Gebieten voraus. Eines Tages wollen wir bundesweit tätig sein.

Wie viele und welche Teilnehmer gibt es bereits auf lokalherz?
Wir haben derzeit knapp 20 eingetragene Projektträger. Mit dabei ist unter anderem die Nürnberger Initiative "Zentrum aktiver Bürger", die sich für Ehrenamt und Freiwilligenarbeit einsetzt. Weiterhin das "Fab Lab Region Nürnberg", das unter anderem eine offene Werkstatt anbietet, sowie der ökologische Verein "Bluepingu" und das Inklusionskonzept "Heimat". Bis Ende des Jahres wollen wir die Teilnehmerzahl auf 30 erhöhen.

Wer darf bei lokalherz mitmachen und wer nicht? 
Auf Projektträgerseite kann jede Organisation und Gruppe mitmachen, deren Tätigkeit sich mit dem Grundgesetz vereinbaren lässt und die unsere Gesellschaft positiv verändern will. Ausgenommen sind politische Parteien, parteinahe Organisationen und religionsausübende Projekte.

Welche Einschränkungen gibt es auf Unternehmensseite?
Keinen Zugang zu lokalherz haben Unternehmen aus den Bereichen Rüstung, Atomkraft, Tabak und Alkohol. Natürlich gibt es überall einen großen Graubereich. Wir prüfen alle Kandidaten soweit uns das möglich ist.

Wie sichert ihr den Zahlungsverkehr auf lokalherz ab?
Wir dürfen von Drittpersonen keine Gelder einziehen, da e
s sich um eine Banktätigkeit handelt. Dafür muss man von der BaFin zertifiziert sein [Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht – Anm. d. Red.]. Deshalb haben wir einen zertifizierten Dienstleister eingebunden, der ein Treuhandkonto verwaltet.


Eine Projektseite auf lokalherz.
Und so werden die Projektseiten auf lokalherz aussehen.

Ihr wollt kleinen Unternehmen auch zu einer stärkeren Online-Präsenz verhelfen. Wie?
Auf lokalherz wird das soziale Engagement der Unternehmen sichtbar, ohne dass sich diese darum kümmern müssen. Aus diesem PR-Bonus ergibt sich ein Multiplikatoreffekt: Zum Beispiel kann ein gefördertes Projekt auf seiner Facebookseite über das Sponsoring berichten, was wiederum dem Unternehmen, das Sponsor ist, Aufmerksamkeit bringt. Künftig wollen wir den unterstützenden Unternehmen auch Content-Elemente liefern, die sie für ihre eigene Unternehmenskommunikation nutzen können. Unternehmen mit einem Premium-Account sollen auch Vorteilsaktionen starten können, zum Beispiel als Belohnung für private Sponsoren.

Kommen wir zu dem Menschen hinter lokalherz: Bitte erzähle uns etwas über dich.
Gebürtig komme ich aus Roth, das 30 Kilometer südlich von Nürnberg liegt. Ich lebe aber seit Ewigkeiten in der Frankenmetropole und war 25 Jahre in der Druck- und Medienbranche tätig, in den letzten vier Jahren als Betriebsleiter. Ich arbeitete mit viel Herzblut bei meinem letzten Arbeitgeber, der leider insolvent wurde. Da die Druckbranche leider mehr und mehr den Bach runtergeht, wollte ich mich jetzt neu orientieren.

Wie haben Familie, Freunde und Bekannte auf deine lokalherz-Idee reagiert?
Die wichtigsten Menschen in meinem Leben unterstützen mich, vor allem meine Frau. Das ist ganz wichtig, denn ein Start-up ist auch ein emotionales Auf und Ab. Mein Vater sagt: "Der macht das schon!" (lacht). Meine Mutter würde mich lieber in einem sichereren Job sehen. Der Freundeskreis ist zwiegespalten: Der webferne Teil versteht nicht, was ich hier mache. Der andere Teil dagegen findet es total klasse.

Zum Schluss ein Blick auf die Heimat eures Projekts: Wie schätzt du die Web-Szene Nürnberg-Fürth-Erlangen ein?
Die Szene ist sehr offen und hilfsbereit: Michael Kubens von designenlassen.de hatte sofort ein offenes Ohr für mich und berichtete mir von seinen eigenen Start-up-Erfahrungen. Auch mit Verena Röthlingshöfer von MyOma hatte ich einen sehr netten und hilfreichen Kontakt. Die Web-Szene Nürnberg-Fürth-Erlangen ist gut vernetzt.

Die letzte Frage dreht sich um eure Träume und Ziele: Was wollt ihr bis wann mit lokalherz erreichen?
Wenn es gut läuft, wollen wir im August 2015 gründen. Bis dahin wollen wir bewiesen haben, dass unser Geschäftsmodell funktioniert. Von da an möchten wir kontinuierlich wachsen und nach den ersten drei Jahren kostendeckend wirtschaften. Weiter planen wir momentan noch nicht.

Alexander, vielen Dank für dieses Gespräch. Alles Gute und viel Erfolg für euch und lokalherz!

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Mathias Sauermann

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