Start-up-Szene Bayern: "Nürnberg braucht sich nicht zu verstecken"

Abenteuer Unternehmensgründung: Wer es wagt, hat viele Fragen und sucht Unterstützung. Die Nürnberger Initiative BayStartUP – früher bekannt als netzwerk nordbayern – bietet Hilfe und wertvolle Investoren-Kontakte. Zeit für ein Interview!

Ich traf mich mit Christian Stürmer (30), Leiter Businessplan Wettbewerb Nordbayern, in den BayStartUP-Büros im Nordosten der Frankenmetropole. 45 Minuten lang beleuchteten wir den Traum vom eigenen (Web-)Unternehmen.

Herr Stürmer, was ist BayStartUP?
Wir sind eine Initiative, die Unternehmensgründer und Geschäftsideen unterstützt. Unter anderem werden wir vom bayerischen Wirtschaftsministerium gefördert. Unsere Businessplan-Wettbewerbe ermöglichen es den Teilnehmern, objektives Feedback zu ihrer Geschäftsidee zu bekommen, und das kostenfrei.

[Anm. eures Bloggers: Ein Businessplan ist ein Arbeitspapier, das alle Ziele, Strategien und Maßnahmen eines Unternehmens oder einer Geschäftsidee für einen bestimmten Zeitraum darstellt.]


Christian Stürmer, Leiter Businessplan Wettbewerb Nordbayern bei BayStartUP
Christian Stürmer (30) ist Leiter Businessplan Wettbewerb Nordbayern
bei der Initiative BayStartUP.

Wie unterstützen Sie Start-ups noch?
BayStartUP hilft Unternehmern bei Finanzierungsfragen und vernetzt sie mit Investoren. Darüber hinaus bieten wir Workshops und Fortbildungskurse. Und wir organisieren Veranstaltungen, die das Netzwerk zwischen Start-ups, Investoren und anderen Experten stärken.

BayStartUP hieß früher netzwerk nordbayern. Bitte beschreiben Sie uns die Entwicklung.
Anfangs gab es eine Initiative des Beratungsunternehmens McKinsey: netzwerk nordbayern war die Plattform für die fränkischen Regierungsbezirke und die Oberpfalz, in München gab es die Plattform evobis. 2014 ergab sich die Chance, beide Initiativen zu BayStartUP zusammenzuführen, mit je einem Firmensitz in Nürnberg und in München.

Wer trägt BayStartUP?
Wir sind eine GmbH, arbeiten aber nicht gewinnorientiert. Unsere Träger sind teils das bayerische Wirtschaftsministerium, teils privatwirtschaftliche Unternehmen, wie zum Beispiel Siemens oder einige kleine lokale Firmen. Auch der Förderverein "Innovatives Unternehmertum Nordbayern" gehört dazu.

Ein Businessplan-Wettbewerb von BayStartUP
Die Teilnehmer eines BayStartUP-Businessplan-Wettbewerbes.

Was bieten Ihre Businessplan-Wettbewerbe?
Wir haben ein dreistufiges System, das jeweils im Januar, im März und im Juni eines Jahres greift. In der ersten Phase erstellen die Gründer ein Executive Summary – eine Übersicht zu ihrem Geschäftsmodell, ihrem Produkt oder ihrer Dienstleistung. Hier sollen sie auch den Markt und den Wettbewerb analysieren. Die Teilnehmer bekommen anhand ihres Executive Summarys und den anderen eingereichten Abschnitten Feedback von Unternehmern und Kapitalgebern

Was geschieht in der zweiten und dritten Phase?
In der zweiten Phase kommen Marketing und Vertrieb hinzu, die Teilnehmer verfeinern ihre Ergebnisse. In der letzten Phase im Juni spielen Finanzierung und Kapitalbedarf eine große Rolle. Am Ende des Wettbewerbs sollte ein guter und finanzierungsfähiger Businessplan stehen.

Wonach entscheiden Sie, ob Sie ein Start-up fördern oder nicht?
Grundsätzlich ist unsere Förderung branchenoffen. Wir konzentrieren uns jedoch auf Wachstumsunternehmen. In manchen Fällen schlagen wir den Gründern andere Ansprechpartner vor, zum Beispiel die IHK. BayStartUP ist am stärksten im Finanzierungsbereich, da wir ein großes, eigenes Business-Angels-Netzwerk haben.

[Anm. eures Bloggers: Ein Business Angel ist eine Person, die sich finanziell an Unternehmen beteiligt und diese mit Know-how und Kontakten unterstützt. Häufig handelt es sich um erfahrene Unternehmer oder leitende Angestellte.]

Was wird von Start-ups immer wieder unterschätzt, was sind typische Gründungsfehler?
Viele scheitern am Vertrieb. Viele unterschätzen zudem die Zeit, die es braucht, um an Kapital zu gelangen. Sechs Monate plus x muss man hier einkalkulieren.

Das BayStartUP-Logo
Das BayStartUP-Logo.

Bis zu welchem Punkt fördern Sie Start-ups? Ab wann müssen es die Gründer alleine schaffen?
Wir unterstützen zunächst in der Seed-Phase, wenn nur die Idee vorhanden ist. Der Proof-of-Concept sollte vorhanden sein. Wir wollen auch längerfristig unterstützen, zum Beispiel bei einer späteren Internationalisierung der Geschäftsidee oder einem weiteren Finanzbedarf.

[Anm. eures Bloggers: Die Seedphase/"Saatphase" ist der erste Abschnitt im Lebenszyklus eines Unternehmens. Der Proof-of-Concept ist der Machbarkeitsnachweis einer Geschäftsidee.]

Gibt es Web-Erfolgsstorys aus dem Großraum Nürnberg, an denen BayStartUP beteiligt war oder ist?
Das bekannteste Erfolgsbeispiel ist der Computerspiele-Hersteller Crytek, der in Coburg gegründet wurde. Ein weiteres Beispiel ist das Nürnberger Unternehmen Streetspotr, ein Hersteller einer Smartphone-App für standortbasierte Mikrojobs. Weiterhin zu nennen: der Nürnberger Datenbank-Spezialist Exasol.

[Anm. eures Bloggers: Das Unternehmen Crytek entwickelte erfolgreiche Ego-Shooter-Spiele wie "Far Cry" oder "Crysis"].

Wie kann ich mich als Existenzgründer an BayStartUP wenden?
Interessenten können mich anrufen oder mir mailen: stuermer(at)baystartup.de, 0911 / 59724-8022. Ich lasse mir dann kurz erklären, um was es geht, und kann abschätzen, ob er bei uns überhaupt richtig ist. In einem zweiten Schritt sollten mir die Gründer ein Schriftstück schicken, das die Geschäftsidee auf zwei Seiten beschreibt.

Blicken wir auf die Geldgeber-Seite: Wie sieht Ihre Zusammenarbeit mit Investoren aus?
BayStartUP hat das wahrscheinlich größte Business-Angels-Netzwerk Deutschlands mit 200 Mitgliedern, außerdem haben wir Kontakte zu rund 100 institutionellen Investoren. Wir analysieren, welche Investoren mit welchen Start-ups zusammenpassen. Mitunter werden die Investoren auch durch die Businessplan-Wettbewerbe auf Geschäftsideen aufmerksam. Wir informieren Investoren regelmäßig über neue Start-ups und veranstalten jährlich eine Investorenkonferenz. Und wir bieten regelmäßige Kaminabende, bei denen wir Business Angels mit Start-ups vernetzen.


Eine BayStartUP-Netzwerkveranstaltung.
Eine BayStartUP-Netzwerkveranstaltung.

Wie kann ich mich als Investor an BayStartUP wenden?
Ansprechpartner sind mein Nürnberger Kollege Alexander Becker – becker(at)baystartup.de, 0911 / 59724-8048 – und meine Münchener Kollegin Barbara Dombay, dombay(at)baystartup.de.

Wenn Sie Nordbayern mit anderen Teilen Bayerns vergleichen: Wie lebendig ist die hiesige Web-Start-up-Szene?
Der Großraum Nürnberg braucht sich definitiv nicht zu verstecken. In Nordbayern haben wir rund 140 Teilnehmer pro Businessplan-Wettbewerb, davon sind 50 Prozent Web- und IT-Unternehmen. München hat im Verhältnis ähnliche Zahlen mit absolut betrachtet mehr Teilnehmern. Wichtig ist die Hochschulnähe – Nordbayern besitzt viele starke Hochschulstandorte: unter anderem Nürnberg, Erlangen, Würzburg, Bayreuth, Bamberg und Regensburg.

Wo gibt es Nachholbedarf?
Die nordbayerischen Start-ups und Start-up-Institutionen können sich sicherlich noch besser vernetzen. Hier gibt es Luft nach oben.

Blicken wir zum Abschluss über die Region hinaus: Wie schätzen Sie Deutschland als digitalen Wirtschaftsstandort ein? Wird Neuland langsam erschlossen?
Wir haben uns in Deutschland enorm gesteigert. Wir erkennen, dass wir uns mitten in der Digitalisierung befinden und jetzt Gas geben müssen. In der Anfangsfinanzierung sind wir gut, bei der Wachstumsfinanzierung hakt es noch. Aber die Politik hat dies bereits erkannt.

Taugen die USA als Maßstab?
Ob man sich immer mit den USA und dem Silicon Valley vergleichen soll, sei dahingestellt. Die USA haben den Vorteil eines riesigen Marktes mit einer einheitlichen Sprache – Europa dagegen hat Sprachbarrieren und unterschiedliche Rechtssysteme. Allerdings ist der Konkurrenzkampf in den USA dafür deutlich größer.

Herr Stürmer, vielen Dank für dieses Gespräch.


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Mathias Sauermann

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