Facebook 2015 – und tschüss, Datenschutz?

Am 30. Januar war Datenschutz-D-Day: Mit vierwöchiger Verzögerung setzte der Social Media Riese seine neuen, umstrittenen Nutzungsbedingungen um. Ein GAU für die Persönlichkeitsrechte oder alles halb so schlimm? Die Fakten auf einen Blick.

Ausdrücklich einwilligen oder widersprechen konnte kein Facebook-Nutzer: Wer sich vergangenen Freitag einloggte, stimmte automatisch den neuen AGB zu. Verbraucherschützer toben, der Bundestag debattiert – Mark Zuckerberg wird es schnuppe sein.

Nüchtern betrachtet droht keine Apokalypse. Kollege Lumma drückte das mit einem satten Pfund Ironie auf Twitter so aus:


Rund 71.000 Zeichen umfassen die neuen Richtlinien – wer liest so etwas freiwillig? Richtig: außer Juristen niemand. Deshalb werden auch dieses Mal die allermeisten Facebook-User die Änderungen mit einem Achselzucken hinnehmen.

Facebooks neue Nutzungsbedingungen

1. Standortbezogene Werbung
Künftig schaltet das Netzwerk Werbeanzeigen, die sich an eurem Standort orientieren: Restaurants, Fitness-Studios, Shopping-Tempel – haltet ihr euch in ihrer Nähe auf, knallt euch Facebook die passende Anzeige vor den (digitalen) Latz.

Wenn ihr das nicht wollt, könnt ihr euch so dagegen wehren: Schaltet euer Smartphone-GPS ab und untersagt der Facebook-App den Zugriff auf selbiges.

2. Der Kauf-Button
Facebook will mit einem Buy-Button zum Online-Shop werden. Dieses Feature befindet sich noch in einer Test-Phase.

Wer künftig via Facebook shoppt, gibt natürlich noch mehr Daten preis.

3. Facebook verfolgt euer Surfverhalten
Facebook wertet künftig aus, welche Websites ihr außerhalb des Netzwerkes besucht. Warum? Um euch mit passgenauer Werbung zu beglücken.

Beispiel: Ihr besucht eine Jack-Wolfskin-Seite, also schiebt euch Facebook Werbeanzeigen zum Thema Outdoor (und vielleicht auch zum Dschungelcamp) hinterher.

Facebooks neue AGB
(Facebook's Infection von Ksayer1 unter CC BY-SA 2.0)

Facebook is watching you – was tun?

Nein, solche Bildchen auf Facebook zu posten, bringt gar nichts:

Unsinniger Widerspruch gegen Facebooks neue Nutzungsbestimmungen

Juristisch ist das kompletter Kokolores (und ortografisch eine absolute Katastrophe...). Da könnt ihr auch gleich eine Flaschenpost an Barbara Salesch schicken oder dreimal mit dem Kochlöffel im Namen des Volkes gegen den Kühlschrank hauen.

Folgende realistische Optionen habt ihr stattdessen:

➧ Checkt eure >Facebook-Privatsphäre-Einstellungen: So könnt ihr zumindest für etwas Datenschutz sorgen.

➧ Prüft eure >Facebook-Werbeeinstellungen.

➧ Löscht regelmäßig eure Internetspuren in eurem Browser:
  • Firefox: "Chronik" ... "Neueste Chronik löschen"
  • Chrome: "Verlauf" ... "Browserdaten löschen"
  • Internet Explorer: "Internetoptionen" ... "Browserverlauf" ... "Löschen"
➧ Installiert das Firefox-Add-on >Ghostery: Es blockiert Facebooks Werbetracker (Programme, die euch zu Werbezwecken ausspionieren wollen).

➧ Verbietet einzelnen Unternehmen, euch werbetechnisch heimzusuchen. Das geht auf der Website der >Allianz digitaler Werber in Europa (EDAA).

➧ Wem das alles nicht reicht, dem bleibt nur eins: >Facebook-Profil löschen

Und die Moral von der Geschicht'...

...kostenlos gibt es Facebook nicht. Wir bezahlen mit unseren Daten. Wie viele davon ihr Facebook schenkt, habt ihr komplett selbst in der Hand. 

Kommentare

Mathias Sauermann

Mathias Sauermann
...bloggt hier.
>NEWSLETTER: Sichere dir die besten Beiträge meines Blogs >gratis und freibleibend!

Vernetze dich mit mir auf FacebookTwitter Instagram.

Weitere spannende Beiträge dieses Blogs findest du in den Rubriken:
Online-Marketing-Tipps
Digitalisierung

Meinung!
Onliner-Allerlei


Titelbild: Digital Art unter CC0 1.0