QR-Codes: Aufstieg und Fall eines Marketing-Hypes

Wir kennen sie von Prospekten und Schaufenstern, Visitenkarten und Werbeplakaten: schwarz-weiß gescheckte Quadrate, die wir mit unseren Smartphones scannen sollen. Die bittere Wahrheit: QR-Codes werden kaum genutzt.

QR-Codes werden kaum genutzt.
"QR" steht für "quick-response" – "reaktionsschnell".

Mich erinnert der QR-Code-Hype an den Herdentrieb: Selbsternannte Experten erklärten die Dinger einst zu einem Must-have – und viele glauben ihnen bis heute. Warum wir uns gerne an der Masse orientieren, erklärt der Evolutionspsychologe Benjamin Lange so (Quelle: stuttgarter-zeitung.de):

"Was die Masse macht, kann so falsch nicht sein, und wenn die Masse irrt, dann sitzen wir wenigstens alle im selben Boot und können das Problem gemeinsam lösen."

Die Analogie zum QR-Code-Hype: Wenn das alle bieten, muss es was bringen. Ich tanze dann mal aus der Reihe und sage: Nein, QR-Codes bringen nichts!

QR-Codes: magere Nutzerzahlen

Das Ergebnis einer repräsentativen QR-Code-Studie von Skopos aus den Jahren 2012 und 2014 mit 1000 Befragten:

➧ 3 (in Worten: drei!) Prozent der Smartphone-Besitzer nutzen QR-Codes regelmäßig.

➧ Als Hauptgrund für die Nichtnutzung nannten 68 Prozent "mangelndes Interesse".
    Nicht minder ernüchternde Zahlen für 2014 bietet euch diese QR-Code-Statistik.

    [Update Januar 2017] Kriegten QR-Codes vielleicht 2016 die Kurve? Nicht wirklich, wie diese repräsentative Befragung zeigt:

    Statistik: Haben Sie mit Ihrem Smartphone oder Tablet PC bereits QR- oder Barcodes gescannt? | Statista
    Mehr Statistiken findet ihr Statista.

    Warum zünden QR-Codes nicht?

    Gute Frage. Nachdem ich mir vor Ewigkeiten eine QR-Code-App auf das Smartphone gepackt hatte, nutzte ich sie genau einmal. Ich weiß noch nicht mal mehr wofür. Seitdem jedenfalls nie wieder.

    Mir ist das einfach zu umständlich: Smartphone zücken, Code fixieren, warten. Da müsste schon so etwas Bahnbrechendes wie die Lottozahlen vom nächsten Samstag erscheinen, um mich wirklich zu überzeugen.

    Erscheint aber Vorschlaghammer-Werbung oder irgendein pseudo-witziger Mumpitz, verlässt einen doch echt die Lust. Warum soll man dafür Zeit, Datenvolumen und Akku-Power opfern? 

    Lasst es mich wissen: Was haltet ihr von QR-Codes?


    Lese-Tipp:

    Kommentare

    Raman Singh hat gesagt…
    Hi,

    das gleiche habe ich mich auch schon oft gefragt, doch trotzdem habe ich einen QR-Code auf der Rückseite meiner Visitenkarte.
    Ich finde es immer recht praktisch einen Kontakt nicht manuell von einer Visitenkarte abtippen zu müssen.
    Außerdem benötige ich im Online-Banking QR-Codes um eine TAN generieren zu können. Finde das praktischer als das Sim- und SMS-TAN-Verfahren.

    Das sind jedoch auch schon die einzigen praktischen Anwendungsgebiete des QR-Codes und ich muss zugeben, das mache ich wirklich nicht oft.

    Es wäre sicherlich nicht weiter tragisch, wenn es diese Erfindung nicht gäbe. :)

    Viele Grüße
    Raman
    Mathias Sauermann hat gesagt…
    Hi Raman,

    vielen Dank für dein Feedback.

    Vielleicht wären QR-Codes beliebter, wenn die Nutzung einfacher und schneller wäre.

    Ich bin gespannt, ob es vielleicht bald einen neuen Ansatz gibt.

    Viele Grüße
    Mathias
    peter hlavac hat gesagt…
    Hallo!

    Ich glaub mit dem einfacher und schneller wird es sobald nichts. Zwar gibt es von manchen Herstellern Versuche, die QR Code Scan Funktion direkt in die native Kamera App vom OS zu integrieren, komfortabler oder schneller als mit 3rd Party Apps ist es aber trotzdem nicht.

    Die Gründe dafür werden hier näher erklärt:
    https://blog.qrd.by/2015/09/02/native-qr-code-decoding-camera-app/

    wirklich neue Ansätze sehe ich eher z.B. bei den Eddystone Beacons
    lg Peter
    Mathias Sauermann hat gesagt…
    Hallo Peter,

    vielen Dank für den Link. Auch Eddystone klingt interessant.

    Vielleicht leistet auch das Internet der Dinge Schützenhilfe: Print-Werbung, die sich online mit dem Smartphone vernetzt.

    Viele Grüße
    Mathias
    Anonym hat gesagt…
    Da ich lange Zeit kein Smartphone besaß, wurde ich erst relativ spät mit QR-Codes vertraut gemacht. Bei der Gestaltung von Flyern und Werbematerialien nutzte ich sie nun in der Regel, da sie mir als sehr nützlich erschienen. Vor Kurzem sagte mir nun jemand, dass QR-Codes "out" sind. Irgendwie kann ich diese Aussage allerdings nicht glauben, da ja in der Regel Dinge erst aus der Mode kommen, wenn es eine bessere oder trendigere Alternative dafür gibt, was beim QR-Code derzeit nicht der Fall ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Konsumenten lieber einen Weblink eingeben, als in Sekundenschnelle einen Code einzuscannen.
    Daher finde ich, dass die aufgeführte Statistik zwar recht informativ ist, jedoch keine Antwort auf die wirklich interessante Frage für Organisationen mit Bedarf an Werbestrategien gibt. Als zusätzliche Frage müsste daher gestellt werden, wie häufig die Befragten überhaupt Internetseiten von Werbeangeboten besuchen bzw. Weblinks manuell eingeben. Erst dann kann ja über den Wert eines QR-Codes geurteilt werden.
    Falls es dazu zufällig noch eine Statistik gibt, würde sie mich sehr interessieren.
    Vielen Dank im Voraus.
    Anonym hat gesagt…
    Als Nutzer halte ich QR-Codes für ziemlich unverzichtbar. Visitenkarten, Web-Adressen, WLAN-Zugangsdaten - all das will ich sicherlich nicht von Hand eintippen und entsprechend nutze ich QR-Codes im Schnitt sicherlich einmal alle ein bis zwei Wochen. Hinzu kommt, dass ich mittels QR-Code-Generierungs-Tools (gibt's auch webbasiert, von überall her zugreifbar) nun auch Textnotizen aufs Smartphone übertrage, indem ich den generierten Code direkt vom Bildschirm abscanne - das Eintippen am Smartphone würde ewig dauern, und alternative Übertragungsmethoden würden alle irgendeine Verbindung zur Datenübertragung mit dem PC benötigen, was schwieriger einzurichten ist als einfach den QR-Code abzuscannen. Was ich tatsächlich nicht tue ist, Apps basierend auf QR-Codes aus App Stores zu holen - denn wenn ich unterwegs bin (und vor allem da begegnen mir QR-Codes) möchte ich meist nicht meine Bandbreite durch große Downloads strapazieren.

    Mathias Sauermann

    Mathias Sauermann
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