Redirects: So funktionieren Webseiten-Weiterleitungen

Ein Website-Relaunch, eine neue URL-Struktur oder ein Update eurer Inhalte: Es gibt einige Anlässe, Webseiten auf eine neue Web-Adresse weiterzuleiten. Die folgenden Begriffe werden euch dabei begegnen.

Wer sich mit Redirects beschäftigt, trifft auf Bezeichnungen wie "301", "302" oder "Canonical Tag". Klingt kryptisch, ist aber gar nicht so schwer. Eine Übersicht:

1. Die 301-Weiterleitung

a) Was ist eine 301-Weiterleitung?
Die 301-Weiterleitung ist ein Statuscode, den ein Server an einen Client (zum Beispiel den Web-Browser Firefox) übermittelt, während ein User im Browser surft.

"301 moved permanently" besagt: Eine Web-Adresse wurde dauerhaft verschoben und ist ab sofort unter einer neuen URL (= Web-Adresse) erreichbar.

Der User bekommt von dieser Weiterleitung nicht viel mit, sie läuft im Hintergrund ab. Er landet auf der Seite, die er besuchen wollte, einzig mit dem Unterschied, dass diese Seite eine neue Web-Adresse hat.


Eine 301-Weiterleitung.
Eine 301-Weiterleitung schön veranschaulicht.
(301-redirection Chcker von Harsh Agrawal unter CC BY 2.0)


b) Wann nutze ich eine 301-Weiterleitung?

Zum Beispiel wenn ihr
➧ die URL-Struktur eurer Website ändert (Relaunch),

➧ eure Website auf eine komplett neue Domain umzieht (www.meine-alte-website.de > www.meine-neue-website.de),

➧ zwei Websites zusammenführt,

➧ Duplicate Content vermeiden wollt (ein und derselbe Inhalt ist über mehrere verschiedene Web-Adressen abrufbar – Google mag das nicht),

➧ eine Produktseite aus eurem Online-Shop entfernt, andere Websites aber noch auf die alte Web-Adresse verlinken.

Wichtig aus SEO-Sicht: Haben Webseiten und ihre URLs über Jahre Vertrauen und ein gutes Standing bei Google aufgebaut, solltet ihr diesen Credit auf jeden Fall bei einer Web-Adressänderung mitnehmen. 301-Weiterleitungen stellen sicher, dass die neue Webseite die Stärke der alten erbt.

Bitte beachten: Das gute Standing wird nicht sofort weitergegeben. Ihr müsst eine anfängliche Google-Ranking-Delle einkalkulieren, von der leider niemand genau sagen kann, wie lange sie anhält. Fakt ist aber, dass eine 301-Weiterleitung garantiert die Stärke der alten Seite früher oder später auf die neue überträgt.

2. Die 302-Weiterleitung

a) Was ist eine 302-Weiterleitung?
Der Statuscode "302 found" besagt: Eine Web-Adresse wurde vorübergehend verschoben ("moved temporarily"). Die Inhalte befinden sich nur vorübergehend auf einer anderen Seite, die ursprüngliche Seite bleibt aber bestehen (anders als bei einer 301-Weiterleitung).

Für Google ist das das Signal: Ignoriere die neue Seite, sie verschwindet wieder.

Bitte beachten: 302-Weiterleitungen vererben nicht (!) die Stärke der Ursprungsseite auf die neue Seite.

b) Wann nutze ich eine 302-Weiterleitung?

Ihr solltet 302-Weiterleitungen nur nutzen, wenn es sich tatsächlich nur um eine vorübergehende Änderung handelt. Beispiel: Ihr ändert gerade ein Seiten-Design und wollt vermeiden, dass User währenddessen auf dieser Seite landen.

3. Das Canonical Tag

Canonical Tags sind zwar keine Weiterleitungen, in unserem Zusammenhang aber dennoch erwähnenswert.

a) Was ist ein Canonical Tag?
Das Canonical Tag erscheint im Website-Quellcode. Es hilft, eine Google-Strafe wegen Duplicate Contents (doppelten Inhalts) zu vermeiden, und sieht unter anderem so aus:

<link rel="canonical" href="http://online-shop.de/produkt-xyz.htm">


Beispiel Online-Shops: Diese speichern oft benutzerbezogene Daten während eines Kaufprozesses. Folge: Es entstehen mehrere URLs zu ein und demselben Inhalt (= Duplicate Content, doppelter Inhalt):

Variante 1:
http://www.online-shop.de/produkt-xyz.htm

Variante 2:
http://www.online-shop.de/produkt-xyz/?session_id=abc.htm


Integriert ihr das oben genannte Canonical Tag in Variante 2, versteht Google: Variante 1 ist das "Original", Variante 2 ist nur ein "Ableger" und muss nicht beachtet werden. Folge: Es kommt zu keinen Ranking-Nachteilen wegen Duplicate Contents.

Zwei Hinweise für Programmierer: Bitte nicht noindex-, disallow- oder nofollow-Tags mit kanonischen URLs kombinieren. Google mag das nicht. Und das Canonical Tag nicht im Body-Bereich eines Dokuments nutzen und nicht mehrfach in den Meta-Angaben einsetzen.

b) Warum heißt das Ding "canonical"?

"Canonical" bedeutet "kanonisch", was in der Informatik eine allgemeingültige und eindeutige Bezeichnung eines Datensatzes beschreibt. Eine ausführlichere englische Erklärung:

"In computer science, canonicalization (sometimes standardization or normalization) is a process for converting data that has more than one possible representation into a 'standard', 'normal', or canonical form."


Japanisch-russischer Offline-Wegweiser.
Keine Angst vor Online-Redirects und Canonical Tags:
Japanisch-russische Offline-Wegweiser wirken nicht weniger kryptisch. ;-)
(Road signs in Russian, Nemuro von Shirokazan unter CC BY 2.0)

Und wie baut man Redirects und Canonical Tags ein?

Euer Blogger ist kein Programmierer und wird in diesem Leben auch keiner mehr werden (dann lieber doch noch Spanisch lernen). Deshalb renne ich mit Anliegen wie Redirects und Canonical Tags immer zu Menschen, die coden können.

Ich packe vorher ein paar Schoko-Cookies ein, um das programmierende Volk im Konfliktfall milde stimmen zu können. Die schauen mich dann immer mit einem Blick an, der sagt:

"Jetzt will er wieder was..."

Darauf ich:

"Freunde! Wir brauchen ein paar 301-Redirects! Ist das nicht wunderbar?"

Meistens ernte ich eisiges Schweigen. Dann zücke ich die Schoko-Cookies und gewinne so die (vorübergehende) Unterstützung der Coding-Experten.

Sind eben auch nur Menschen, diese Programmierer. ;-)

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Mathias Sauermann

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