Social Media: Die 4 schrägsten Shitstorms aller Zeiten

Das Social Media Universum bot in den letzten Jahren einige berühmte Shitstorms. Mitunter trieb das unhygienische Geschehen reichlich bizarre Blüten. Et voilà: meine Top 4 der skurrilsten Exemplare.


Shitstorm: vier kuriose Beispiele
Shitstorm voraus.
(Clouds, storms and sunsets von MattysFlicks unter CC BY 2.0)

Nähern wir uns zunächst diesem Begriff: Was ist denn nun eigentlich ein "Shitstorm"? Duden, übernehmen Sie:

Der Shit­storm - Wortart: Substantiv, maskulin - Sturm der Entrüstung in einem Kommunikationsmedium des Internets, der zum Teil mit beleidigenden Äußerungen einhergeht.

So weit, so jugendfrei. Diese Definition könnte man auch seiner Großmutter vorlesen, ohne rot zu werden. Was der Duden verschweigt: Der Begriff geht zurück auf eine englische Redewendung, die in folgenden Varianten existiert:

➧ When the sh*t hits the fan.

➧ Then the sh*t'll hit the fan.

➧ The sh*t is going to hit the fan soon.

"fan" bedeutet hier nicht "Fan", sondern "Ventilator" ... auf selbigen trifft ("hit") im eingeschalteten Zustand eine gewisse unappetitliche Substanz (siehe oben), die einem schließlich um die Ohren fliegt. Eklig, oder?

Shitstorm-Charts Platz 4: Schlecker und der Bildungsnotstand (2011)

Die mittlerweile pleitegegangene Drogeriekette Schlecker mobilisierte kurz vor ihrem Exitus nochmal alle Marketing-Kräfte, um das Ruder herumzureißen: Ein neuer Slogan sollte her! Mitreißend, umwerfend, sexy! Was kam raus?

Schlecker. For you. Vor Ort.

Ok. Die hatten das wirklich ernst gemeint. So weit, so schlecht, das alleine löste nur Gelächter aus. Einen echten Shitstorm dagegen brachte die Erklärung des Unternehmenssprechers, warum man diesen sprachlichen Unfall als neuen Slogan erwählt hatte:

Das Motto spreche den durchschnittlichen Schlecker-Kunden an: Menschen mit niedrigem bis mittlerem Bildungsniveau.

Interpretation: Zu Schlecker geht eh nur der tumbe Mob. Folge: Der Ventilator sprang, Schlecker ging pleite (was es auch ohne Shitstorm getan hätte).

Platz 3: O2 und der Einzelfall (2011)

2011 wandte sich ein Blogger (nein, ich war es nicht) an O2 und beschwerte sich über anhaltende Netzprobleme. Die charmante Antwort:

Sie sind ein Einzelfall!

Muss man Diplom Kundenbetreuer sein, um erahnen zu können, dass so eine Antwort nicht gut ankommt? Der Blogger machte den Fall öffentlich. Folge: Der Ventilator sprang an und die Sch... naja, ihr wisst schon.


Die Herkunft des Begriffs "Shitstorm".
Beware of the fan!
(fan von cat's_101 unter CC BY 2.0)

Platz 2: Geschirrspülmittel mit Geflügelgeschmack (2011)

Die Idee des Henkel-Konzerns an sich war super: Die Facebook-Fans der Marke Pril sollten ein neues Flaschen-Design für das Geschirrspülmittel entwerfen.

Was passierte? Die Entwürfe wurden immer schräger, Top-Favorit der Facebook-User war alsbald die "Grillhähnchen-Version": eine Pril-Flasche mit dem Aufdruck "Schmeckt lecker nach Hähnchen!".

Da wurde es Henkel zu viel: Kurzerhand berücksichtigte man nur noch Entwürfe, die der Konzern vorher genehmigt hatte.

Ihr ahnt, was passierte? Richtig: Die Fans fühlten sich verschaukelt, der Ventilator sprang an.

Shitstorm-Charts Platz 1: der Basketballer mit der Wurstscheibe (2012)


Der ING-DiBa-Shitstorm.
(Wurst von Martin Abegglen unter CC BY-SA 2.0)

Meine Nummer 1. Schräger geht es eigentlich nicht. Die Hauptdarsteller:
  • Die ING-DiBa AG (eine Direktbank),
  • Dirk Nowitzki (ein erfolgreicher Basketballer)
  • und eine Scheibe Wurst.
Wie bastelt man aus diesen drei Zutaten einen gediegenen Shitstorm? Es hat funktioniert:

Ein eigentlich harmloser TV-Werbespot: Dirk Nowitzki betritt eine Metzgerei, wird freundlich begrüßt und bekommt eine Gratis-Wurstscheibe in die Hand gedrückt ("Damit du groß und stark wirst" – Herr Nowitzki misst 2,13 Meter und wiegt 111 kg). So weit, so Diba-diba-du.

Warum der Ventilator ansprang? Weil empörte Vegetarier und Veganer auf die Barrikaden gingen: Sie fluteten die Facebook-Fanpage der ING-Diba mit wütenden Protest-Posts. Der Vorwurf:

Die Direktbank verherrliche den Fleischkonsum!

Der Finanzdienstleister ließ die Protestler gewähren und bat nach einiger Zeit um Verständnis, dass man die Debatte nun beenden würde. Man sei ein Geldinstitut und habe mit Wurstwaren nicht so wirklich viel am Hut. Der Ventilator wurde langsamer und stoppte schließlich.

Ob Herr Nowitzki nach dem Genuss der Wurstscheibe ("Damit du groß und stark wirst") mittlerweile 2,15 Meter misst und 113 kg wiegt, ist leider nicht belegt. Kann uns aber auch echt wurscht sein.

Und die Moral von der Geschicht'...

...den Shitstorm kommen sahen sie nicht.

Mein Rat als Social Media Marketer bleibt bestehen: Die Chancen des Social Webs für Unternehmen (positive Bekanntheit steigern, Image pflegen, Kunden binden und gewinnen etc.) sind deutlich größer als die Risiken (Shitstorm).

Mit Ausnahme des letzten Beispiels wären alle Stürme mit etwas Fingerspitzengefühl und Besonnenheit problemlos vermeidbar gewesen. Dann hätten wir heute allerdings nicht so herrlich schräge Shitstorm-Beispiele. ;-)

Kommentare

Mathias Sauermann

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