Digital ergraut: So surften wir im Jahr 1999

1999: Facebook war noch vier Jahre entfernt, Google ein kleines Start-up und wir zahlten mit D-Mark. Mir kam die Idee, euch mit auf eine Zeitreise zu nehmen. Auslöser: mein jüngster Friseurbesuch.


Ergraut: Der Friseurbesuch bringt es ans Tageslicht.
(Barber sign von Valerie Everett unter CC BY-SA 2.0)

Normalerweise sind Friseurbesuche für euren Blogger reine Routine: reinmarschieren – 15 Minuten Platz nehmen – 12 Millimeter an den Seiten, oben mindestens das Doppelte – aufstehen – bedanken – zahlen – gehen. Wir sehen uns wieder in sechs bis acht Wochen.

Doch in den letzten Monaten, ja, da wurde ich nachdenklich im Friseursessel: Ich bekomme immer einen schwarzen Umhang, egal zu welchem Friseur ich gehe. Und das tiefe, erbarmungslose Schwarz dieses Umhangs, auf den das geschnittene Haar fällt, zeigte mir schonungslos:

Da fällt immer weniger Braun ... da fällt immer mehr Grau ... Grau auf schwarzem Umhang ... damit es noch grauer erscheint ... grauenvoll?

Nö. Wenn man(n) stramm auf die 40 zugeht, dann darf man(n) ergrauen. Ich finde das eher cool. Und so brachte mich mein graues Haar nicht auf trübsinnige Gedanken, sondern auf eine Idee:

"Los, alter Mann: Erzähl' den jungen Leuten doch mal was über das Web der 1990er!"

Potzblitz! Mein Erstkontakt mit dem Web fällt tatsächlich ins letzte Jahrtausend. Das verspricht doch eine spannende, großväterliche Story zu werden. So lasse ich mich nieder in meinem Schaukelstuhl, ziehe die Opa-Pantoffeln an, entfache das Kaminfeuer an und beginne mit:

"Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis..."


Das Internet im Jahr 1999.



Das Web anno 1999

Die >ARD/ZDF-Onlinestudie gab es bereits vor 16 Jahren und sie zeigt, dass sich seitdem gleichzeitig sehr viel und sehr wenig verändert hat:

"Mit einem Anteil von 17,7 Prozent der bundesdeutschen Bevölkerung ab 14 Jahren nach der neuen ARD/ZDF-Online-Studie 1999 stellt damit Deutschland einen der größten Onlinemärkte in Europa, [...]. Verglichen mit der Internet-Verbreitung in Nordamerika, Finnland und Schweden von geschätzten 40 Prozent, wird aber auch deutlich, wie hoch das Wachstumspotential in diesem Bereich ist."

2014 waren 79 Prozent der Deutschen online, macht eine Steigerung von rund 450 Prozent gegenüber 1999. Aber dass wir digital hinterherhinken? Tja, daran hat sich nichts geändert...

Genug der Zahlen, ich wollte euch von meinen persönlichen Erinnerungen erzählen. Here we go:

Suchmaschinen 1999: AltaVista, Lycos und Yahoo

Google gab es 1999 nur als kleines Start-up. Wenn ich damals im Web etwas suchte, nutzte ich AltaVista, Lycos oder Yahoo.


Die Suchmaschine AltaVista im Jahr 1999.
AltaVista anno 1999: eine beliebte Suchmaschine.
(Powered by archive.org)


Die Suchmaschine Lycos im Jahr 1999.
Lycos anno 1999: die Lieblingssuchmaschine eures damals 22-jährigen Bloggers.
(Powered by archive.org)




Die Suchmaschine Yahoo im Jahr 1999.
Yahoo anno 1999: das, was Google 2015 ist – ein Suchmaschinenriese.
(Powered by archive.org)


Und mit welchem Browser ging man 1999 ins Web?

Den gruseligen Internet Explorer gab es damals schon (Nr. 5). Mittlerweile hat Microsoft die "Marke" eingestampft. Besser ist das...


1999 Platzhirsch unter den Browsern: der Internet Explorer.
(Internet Explorer, a web developers menace von Jorgen Kesseler unter CC BY-SA 2.0)

In den 1990ern gab es einen "Browserkrieg": Der unsägliche, aber mächtige Internet Explorer gegen seinen kleinen Herausforderer, den Netscape Navigator.

Letzterer ist ein Vorfahre des heutigen Mozilla Firefox: Während seiner Entwicklung in den 1990ern trug der Netscape Navigator den Codenamen "Mozilla" (ein Kofferwort für "Mosaic Killa" oder "Mosaic meets Godzilla", was sich auf einen anderen damaligen Browser bezog).

So sympathisch mir der Mozilla Firefox heute ist, war es 1999 der Netscape Navigator. I miss you.


Der Webbrowser Netscape Navigator im Jahr 1999.
Mein Lieblings-Browser 1999: der Netscape Navigator.
(Primera web de UTPL 1999 von Carlos Correa Loyola unter CC BY 2.0)


Es war Liebe: das 56k-Modem!

Wie erklärt man Menschen unter 25, was ein 56k-Modem ist? Wikipedia, übernehmen Sie:

"Das Modem [...] ist ein Gerät, um digitale Signale über weite Übertragungswege zwischen zwei digitalen Endgeräten auszutauschen. [...] Ende der 1990er Jahre lag die maximale Datenübertragungs-Geschwindigkeit von Modems bei der V.92 CCITT-Norm (Empf. max. 56000, Senden 48000)."

Ich will euch nicht mit technischen Details langweilen, deshalb die unterhaltsame Version: Ein 56k-Modem war Ende der 1990er die Eintrittskarte ins Web. Aus heutiger Sicht müsste man ein neues Wort erfinden, denn "Langsamkeit" trifft es nicht. Eher "Laaaaaaaangsamkeit". Oder "Zeitlupen-Schneckentempo".

Das Beste: Ging man mit dem 56k-Modem ins Netz, war die Telefonleitung blockiert. Angesichts der Schneckentempo-Downloadraten war man so mitunter stundenlang telefonisch nicht erreichbar. Der Freundeskreis kommentierte das gerne mit den Worten:

"Alter, bei dir war dauernd belegt!"

Der Modem-Sound! Worte können nicht beschreiben, wie sich ein Modem anhörte. Es ist meine wehmütigste Erinnerung an die Online-Welt im Jahr 1999. Genießt es:


Surfen anno 1999: Those days are gone

Bitte anschnallen, wir sausen zurück ins Jahr 2015...

...und da sind wir wieder. Soweit die Erinnerungen eures grau werdenden Bloggers. 16 Jahre ist das her und die digitale Welt entwickelt sich auch 2015 immer schneller und immer weiter. Ich bin mir sicher: Bereits in fünf Jahren lächeln wir über das, was heute als State of the Art gilt.

Und in 16 Jahren? 2031 bin ich 54 und schreibe (vermutlich komplett ergraut) einen Blog-Eintrag mit dem Titel:

"Digital ergraut: So surften wir im Jahr 2015"

Bis denn – und lasst euch keine grauen Haare wachsen. ;-)

Kommentare

Mathias Sauermann

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