"Bis Ende 2015 wollen wir 100.000 aktive Vobe-Nutzer in Deutschland"

Teil 2 meines Interviews mit StayFriends-Gründer Michel Lindenberg (50): Der Web-Entrepreneur aus der Nürnberger Nachbarstadt Erlangen startete jüngst sein neuestes Projekt Vobe. Mehr Details, bitte!


Michel Lindenberg auf der Vobe-Premiere.
Michel Lindenberg (Mitte) auf der Launchparty seines
neuesten Projekts Vobe in Nürnberg.

Nachdem wir uns im >ersten Teil unseres Interviews über Michels Werdegang und die ersten StayFriends-Jahre unterhalten hatten, konzentrierten wir uns in der zweiten Hälfte auf das Hier und Jetzt. Vorhang auf:

Michel, du hast jüngst die App Vobe ins Leben gerufen. Was ist Vobe und wie entstand die Idee?
Wir wollten ein neues soziales Netzwerk starten und untersuchten, welche Arten von sozialen Netzwerken es heute gibt – und was sie bieten müssen. Uns wurde klar, dass sich die neuen, besonders aktiven Netzwerke auf Basis von Messengern wie dem Platzhirschen WhatsApp bilden: Es entstehen Verbindungen zwischen Menschen plus Content, den sie in irgendeiner Form teilen. WhatsApp wird immer stärker genutzt, um sich in Gruppen zu organisieren und über Dinge abzustimmen.

An was für Abstimmungen denkst du?
Zum Beispiel: "Wo gehen wir essen?", "Welchen Film wollen wir uns heute Abend im Kino anschauen?", alles rund um die gemeinsame Freizeitgestaltung. Bei Abstimmungen auf WhatsApp reden viele durcheinander, ein Ergebnis zu finden ist schwer. Also wollten wir eine App bieten, die das Abstimmen in einer Gruppe einfach macht.

Dabei spielen die "Bubbles" auf Vobe eine große Rolle.
Als User stimme ich auf Vobe ab, indem ich mein Profilbild in eine Bubble mit einer Abstimmungsoption ziehe. Je größer eine Bubble, desto mehr Stimmen hat diese Option. Gleichzeitig können sich die Teilnehmer via Instant Messaging austauschen.

Die App Vobe.
Die App Vobe im Einsatz.

Wie zuversichtlich wart ihr, dass es einen Markt für solch eine App gibt?
Wir glauben fest daran, dass der Bedarf deutlich größer ist als es den Usern bewusst ist. Ein Beispiel: Laut Statistik hat eine Gruppe von Kinogängern bis zu vier Stunden vor ihrem gemeinsamen Kinobesuch noch nicht beschlossen, überhaupt ins Kino zu gehen. Unsere Kernzielgruppe mit Vobe sind also Menschen, die schnell spontane Events für kleine Gruppen organisieren möchten.

Was lässt dich zuversichtlich sein, dass sich diese Idee am Markt durchsetzen wird?
Snapchat ist ein Beispiel, das mich optimistisch stimmt [Instant Messenger, der gesendete Bilder nach wenigen Sekunden automatisch löscht – Anm. d. Red.]: Mit einem einzigen Unterscheidungsmerkmal gelang es Snapchat, am Markt groß zu werden. Das hat uns gezeigt: Mit seinem Killer-Feature, das sich deutlich von bestehenden Messengern abhebt, hat Vobe eine Chance sich am Markt zu behaupten.

Wie wollt ihr euch gegen die Übermacht WhatsApp durchsetzen?
Kein Nutzer, der Vobe verwendet, wird WhatsApp aufgeben. Wir wollen WhatsApp keine User wegnehmen. Wir wollen eine relevante Sache, die heute auf WhatsApp stattfindet, künftig auf Vobe stattfinden lassen: User-Abstimmungen in Gruppen.


Michel Lindenberg präsentiert Vobe.
Michel bei der Vobe-Präsentation in Nürnberg.

Wie wollt ihr mit Vobe Geld verdienen?
Ein Beispiel aus der Search-Welt: Google ist eine Datenbank der User-Absichten – die Suchmaschine merkt sich alle Suchanfragen. Das ist der Schatz: zu wissen, was ein User bald tun wird, um ihm darauf aufbauend etwas zu verkaufen. Nun zu Vobe: Wenn eine Vobe-Gruppe abstimmt, was sie heute Abend unternehmen will, sammeln wir auch User-Absichten ein.

Das ermöglicht es euch zum Beispiel, passgenaues Advertising auszuspielen.
Richtig. Allerdings Native Advertising, also keine Werbe-Banner, sondern nutzbringende Vorschläge, die gleich in Form von Bubbles – also Abstimmungsoptionen – daherkommen. Entscheidet sich eine Vobe-Gruppe für Kino, könnte eine Kinokette anbieten, ihr Programm in Form von Bubbles einzuspielen, über die der Nutzer dann mit seinen Freunden abstimmen kann. Das wäre mit vielen Angeboten möglich. Auch wollen wir eines Tages Vobe als Social Plugin auf anderen Websites einbinden: So könnten User Features und Angebote anderer Websites in Vobe teilen – ähnlich wie ein Facebook-Teilen-Button das tut. Meine Vision ist es, Vobe zur mobilen Kollaborationsplattform auszubauen.

Was wollt ihr bis wann mit Vobe erreicht haben?
Meilenstein 1: Bis Ende 2015 wollen wir 100.000 aktive Vobe-Nutzer in Deutschland haben. Meilenstein 2: Bis Mitte 2016 wollen wir fünf relevante und große Vobe-Kooperationen mit namhaften Partnern etablieren.


Die App Vobe.
Vobe will sich neben der Übermacht WhatsApp behaupten.

Michel, lass uns zum Ende des Interviews die Business-Seite der Web-Welt betrachten: Welche Entwicklungen von 1995 bis heute hast du kommen sehen?

Viele sahen das Web anfangs als Liberalisierungsbeschleuniger. Viele glaubten, dass im Web jeder Kleine groß werden und auf dem weltweiten Marktplatz mitspielen kann. Mir dagegen war früh klar, dass das eine Illusion ist. Mittlerweile zeigt sich: Das wahre Geschäft im Web machen nur ein paar wenige große Player.

Ein Blick in die Zukunft: Was wird deiner Meinung nach das nächste große Web- oder Tech-Ding?
Stichwort Smartwatch: Hier sehe ich viel Potenzial. Wie oft wollen wir unser Smartphone aus der Tasche ziehen? Der Blick auf die Uhr dagegen ist schneller und bequemer.

Ein Blick auf die Start-up-Szene – ein Zitat von dir: "Ich habe persönlich Probleme mit der Exit-Mentalität mancher Web-Gründer." Was genau stört dich, wenn Gründer ihre Unternehmensanteile verkaufen, also einen Exit vollziehen?
Der Apple-Gründer Steve Jobs, der zu meinen Vorbildern zählt, hat keinen Exit gemacht. Microsoft-Gründer Bill Gates hat keinen Exit gemacht. Beide haben ihre gesamte Schaffenskraft in ihre Unternehmen gesteckt – viel länger als die meisten Gründer das machen und ohne darauf zu hoffen, ihre Geschäftsidee gewinnbringend verkaufen zu können. Überzeugte Gründer motiviert der Gedanke, mit ihrer Idee die Welt ein kleines Stückchen zu verändern.

Michel, vielen Dank für dieses Gespräch. Alles Gute und viel Erfolg für dich, Vobe und StayFriends!

[Update: Leider entschloss sich das Vobe-Team Mitte 2016, die Entwicklung der App einzustellen.]

>> Zum ersten Teil des Interviews: "StayFriends ist eine Erfolgsstory!"


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Mathias Sauermann

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