Co-Reach 2015: Nürnberg kann Crossmedia (1)

6.000 Besucher, 266 Aussteller und 85 Vorträge auf vier Areas: Die Co-Reach gilt als Europas größte Fachmesse für Dialogmarketing. Am 24. und 25. Juni öffnete sie zum zweiten Mal ihre Pforten auf dem Nürnberger Messegelände. Meine Eindrücke des ersten Tages.


Der Eingangsbereich der Co-Reach 2015.
Der Eingangsbereich der Co-Reach 2015. (© NürnbergMesse)

Die gelungene Co-Reach-App lotste mich zielsicher durch die Weiten der Hallen 4 und 4a des Messegeländes – tief im Nürnberger Südosten.

Wie im Vorjahr präsentierten sich die Co-Reach und das Messegelände hell, weiträumig und bestens organisiert. Und ebenfalls wie im Vorjahr wurde das Presse-Center im ersten Stock zu meinem Refugium, um Kraft (und Kaffee) zu tanken.

Vier Vorträge standen auf meiner Agenda des ersten Tages:

Karl Kratz @ Co-Reach 2015:
"Haifischbecken Internet"

So lautete der Titel des schwäbischen SEO-Szeneriesen und Online-Marketing-Experten. Untertitel: "Wer überlebt, wenn Technologien Paradigmen zerstören?"

Karl Kratz auf der Co-Reach 2015.
Karl Kratz auf der Co-Reach 2015.

In seinen 45 Minuten brachte er Beispiele, warum Responsivität für Unternehmen so wichtig ist:

➧ Die Dating-App Tinder überhole deshalb klassische Single- und Partnerbörsen im Sauseschritt, weil sie den Usern und ihren Nutzungsgewohnheiten viel besser entgegenkomme.

➧ Unternehmen müssen digital transformationsfähig sein, viele seien es aber nicht: Jährlich würden immer noch 200.000 Plakatwände beklebt, obwohl Display-Werbung deutlich fortschrittlicher und wirtschaftlicher wäre.

➧ Im Textbereich würden bald Computerlinguistik-Unternehmen klassische Texterplattformen überholen. Statt Menschen unzählige simpel strukturierte Texte schreiben zu lassen, würden dies künftig Programme übernehmen.

➧ Fazit: Kopf schlägt Kapital, schnell frisst langsam – und die Transformationsfähigkeit frisst alles.

Thomas Koch @ Co-Reach 2015:
"Das Ende der Werbung"

Thomas Koch ist ein quicklebendiges Urgestein: Seit 43 Jahren ist er im Media-Business zuhause, als Kolumnist schreibt er unter anderem für die "Wirtschaftswoche" und "Werben & Verkaufen".

Thomas Koch auf der Co-Reach 2015.
Thomas Koch auf der Co-Reach 2015.

In 45 Minuten kommentierte er in der Crossmedia-Area pointiert den gerade stattfindenden Medienwandel:

➧ Print, Fernsehen und Radio drohen zu verschwinden.

➧ Big Data soll den Umsatz der Unternehmen steigern, wirft aber viele Fragen auf. So sage der US-Konzern Walmart anhand des Einkaufsverhaltens seiner Kunden deren Lebenserwartung voraus.

➧ Big Data wolle uns zu Kaufrobotern machen, der Mensch wolle jedoch nicht von Werbetreibenden ausspioniert werden.

➧ Der Mensch sei keine Maschine, sondern treffe seine Entscheidungen emotional und unbewusst. Deshalb könne Big Data nicht funktionieren.

➧ Stichwort Content Marketing: Der Begriff "relevant" sei "verabscheuungswürdig", da überstrapaziert und nichtssagend.

➧ Werber seien unfähig zu erkennen und zu akzeptieren, dass klassische Werbung nervt.

➧ Voraussichtliches Todesdatum der klassischen Werbung: das Jahr 2020.

Podiumsdiskussion:
"Ist das Marketing ein Sklave Googles?"

Die Teilnehmer in der Crossmedia-Area:
  • Karl Kratz (siehe oben)
  • Thomas Koch (siehe oben)
  • Franz Keim (Online-Marketing-Manager, Verlag C.H. Beck)
  • Moderation: Christoph Pause (Chefredakteur der Fachzeitschrift "acquisa") 

Podiumsdiskussion auf der Co-Reach 2015.
Von links: Karl Kratz, Thomas Koch, Christoph Pause, Franz Keim.

Einige Thesen der Gesprächsrunde:

Karl Kratz betonte: Ein Plan B abseits von Google sei überlebenswichtig. Unternehmen dürften nicht alle (Marketing-)Eier in einen Korb legen. Es gebe neben Google etliche unabhängige Such-Services, die auch abseits von Google Branchen Erfolge brächten: zum Beispiel das Ärztebewertungsportal jameda.

Thomas Koch warf ein, dass wir es nicht mit einer Google-Gläubigkeit, sondern mit einer Google-Unterwürfigkeit zu tun hätten. Unternehmen müssten ihre Marke so stark aufbauen, dass sie unabhängig von Google würden.

Franz Keim kritisierte, dass im Online-Marketing viel gemessen würde, es aber zu wenig verlässliche Aussagen gebe. Wie abhängig Unternehmen von Google seien, sei auch stark abhängig vom jeweiligen Geschäftsmodell.

Manuel Geyer @ Co-Reach 2015: "Ist Print tot?"

"Totgesagte leben länger" lautete der Untertitel dieses Vortrages in der Speakers Area. Redner war Manuel Geyer, seines Zeichens Director Global Account Management bei der Österreichischen Post AG.

Seine Thesen:
➧ Print sei nicht tot. Es brauche ein Nebeneinander von On- und Offline.

➧ Tatsächlich sterben dagegen würden das gedruckte Telefonbuch sowie dicke Print-Kataloge.

➧ Der klassische Print-Ikea-Katalog sei aber nach wie vor gefragt und würde dies auch bleiben.

➧ Print entschleunige den Alltag und sei sinnlich.

"Noch!", wollte ich Manuel Geyer zurufen. Denn die meisten seiner Argumente werden verblassen, wenn sich die Technik weiterentwickelt und das Digitale alle Sinne ansprechen wird. Das ist – meiner Meinung nach – nur eine Frage der Zeit.

Co-Reach 2015: Impressionen vom ersten Tag







Was ich am zweiten Tag auf dem Nürnberger Messegelände erlebte, lest ihr im Blog-Post >Co-Reach 2015: Nürnberg kann Crossmedia (2).

Bis denn! ;-)

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Mathias Sauermann

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