Global digital: Die weltweiten Chancen & Risiken der Digitalisierung

Deutschland diskutiert eifrig die Themen Internet der Dinge, Industrie 4.0 und Disruption – andernorts auf dem Planeten gibt es noch nicht einmal einen Internetzugang. Eine aktuelle Studie nennt die weltweiten digitalen Missstände und Erfolge.


Weltweite Chancen und Risiken der Digitalisierung
(Screen unter CC0 1.0)

Titel der Studie: "World Development Report 2016: Digital dividends"
Verfasser: die Weltbankgruppe (USA)

Die Weltbankgruppe sollte ursprünglich den Wiederaufbau der im 2. Weltkrieg zerstörten Staaten finanzieren. Heute umfasst sie fünf Organisationen, unter anderem die Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung.

Hintergrund-Info: Die Weltbank wird teils harsch kritisiert. Im Folgenden sollen diese Kritikpunkte aber keine Rolle spielen.

Einige spannende Ergebnisse der Studie auf einen Blick:

Wie digitalisiert ist die Welt?

➧ In Entwicklungsländern gibt es mehr Haushalte, die ein Mobiltelefon besitzen, als Haushalte, die über Elektrizität und sauberes Wasser verfügen.

➧ Die Zahl der Internet-User hat sich in zehn Jahren mehr als verdreifacht: Ende 2015 waren es rund 3,2 Milliarden (Weltbevölkerung 2015: ca. 7,35 Milliarden).

➧ In Afrika ist es für die reichsten 60 Prozent der Bevölkerung dreimal wahrscheinlicher Internetzugang zu haben als für die verbleibenden 40 Prozent.

➧ In der EU nutzen in den reichsten Ländern dreimal mehr Menschen Online-Services als in den ärmsten Ländern. Diese Verteilung zwischen Arm und Reich gilt ähnlich auch innerhalb eines Landes.

➧ Rund 15 Prozent der Weltbevölkerung können auf schnelles Breitbandinternet zugreifen.

Globale Digitalisierung: Missstände & Risiken



Missstände und Risiken der Digitalisierung
(Thumb down unter CC0 1.0)

➧ Gemeinwirtschaftliche Investitionen in die Digitalisierung stärkten eher die bereits bestehenden wirtschaftlichen Digital-Eliten. Fehlender Wettbewerb führe zu konzentrierten Märkten, von denen letztlich nur die bereits etablierten Unternehmen profitieren würden.

➧ Ausdrücklich nennt die Studie die Digitalunternehmen Uber (Fahrdienstvermittler) und Airbnb (Wohnraumvermittler): Die Sicherheit von Verbrauchern und die Interessen von Arbeitnehmern könnten nur schwerlich garantiert und vertreten werden, wenn
  • das größte Taxiunternehmen (Uber) keine Autos
  • und das größte Beherbergungsunternehmen (Airbnb) keine Immobilien besäßen.

➧ Die digitale Transformation schaffe neue Jobs, doch die Automatisierung vieler Arbeitsplätze höhle den Arbeitsmarkt aus.

➧ Es sei schwierig, das Internet offen und sicher zu halten: Das Filtern von Inhalten, Zensur, Cyber-Straftaten sowie mangelnder Datenschutz verursachten Kosten und verringerte den sozialen Nutzen der Digitalisierung.

➧ Das Internet mache es unterdrückenden Regimen möglich, stärker ihre Bevölkerung zu überwachen. Mancherorts würden digitale Technologien eher dazu beitragen, Bürger zu kontrollieren, statt sie mächtiger zu machen.

➧ Wirtschaftlich schwache Länder hätten bislang weniger von der digitalen Revolution profitiert als erhofft.

Soweit die Schattenseiten. Was berichtet die Studie über die positiven Effekte der Digitalisierung?


Globale Digitalisierung: Erfolge & Chancen


Chancen und Erfolge der Digitalisierung
(Thumb up unter CC0 1.0)

➧ Die digitale Transformation habe in vielen Ländern dazu geführt, dass es mehr Wachstum und neue Geschäftsfelder gebe.

➧ Indien und Indonesien zeigten, dass die staatliche Verwaltung vom Web profitiere: Digitalisierte Auftragsvergabe verbessere dort die Infrastruktur ganzer Regionen. Die Aufträge würden transparenter und effizienter vergeben werden.

➧ Die Digitalisierung ermögliche es, Informationen deutlich günstiger zu suchen und zu finden: Arme Menschen könnten so eher Finanzdienstleistungen nutzen, da ihre Kreditwürdigkeit leichter zu erfassen sei [Andersherum wird allerdings auch ein Schuh daraus... – Anm. eures Bloggers].

➧ Händler in abgelegenen Gebieten könnten dank der Online-Welt auf globalen Märkten agieren.

➧ Digitale Identifikation mache es mehr Menschen möglich, öffentliche Serviceangebote zu nutzen.

➧ Die Digitalisierung mache Unternehmen und ihre Mitarbeiter produktiver. Und sie ermögliche es Regierungen, ihren Bürgern Services günstiger anzubieten.

Digitalisierung weltweit: die To-dos

Soweit ein komprimierter Überblick zu den Ergebnissen der Studie "World Development Report 2016: Digital dividends" der Weltbankgruppe.

Die Verfasser fordern, die Schulausbildung umzustrukturieren: Flexibilität sei gefragt, da weniger als die Hälfte der heutigen Schulkinder später in einem Job arbeiten werden, den es heute bereits gibt.

Regierungen sollten es ihren Bürgern ermöglichen, die Chancen des Netzes zu nutzen: Start-ups sollten ungehindert ihre digitalen Geschäftsideen auf den Markt bringen können.

Globale digitale Transformation: Es gibt viel zu tun!

Mir hat auch diese Studie ein weiteres Mal gezeigt:

Wir müssen JETZT die Digitalisierung diskutieren und ins öffentliche Bewusstsein holen. Die digitale Transformation ist mehr als ein volks- und betriebswirtschaftliches Thema – sie hat gesamtgesellschaftliche und globale Dimensionen.

Es braucht kein Informatik-, Ingenieurs- oder BWL-/VWL-Studium, um hier mitreden zu können – der gesunde und interessierte Menschenverstand reicht völlig aus.

Deshalb meine Frage an euch: Wohin soll die digitale Reise gehen?


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Mathias Sauermann

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