Internet World 2016: München shoppt online – Tag 1

Rund 16.000 Besucher aus 29 Ländern, 365 Aussteller und 160 Speaker: Anfang März öffnete die E-Commerce-Messe Internet World in München zum 20. Mal ihre Pforten – auf einer Fläche in der Größe von 84 Tennisplätzen. Euer Blogger war vor Ort.


Der Eingangsbereich der Internet World 2016.


Ein unbarmherziges Schneegestöber umklammerte die bayerische Landeshauptstadt, als ich morgens zur Internet World aufbrach. Die U2 brachte mich unterirdisch von meinem Hotel im Münchener Süden zum östlich gelegenen Messegelände (und in die wohlig-warmen Messehallen).

Meine Programmpunkte des ersten Tages:
  • Zalando
  • eBay
  • SAP/hybris
  • Alibaba

Vorhang auf:

Zalando als Betriebssystem der digitalen Mode-Welt?

Moritz Hau ist Country Manager Deutschland beim Versandhändler Zalando. Unter dem Titel "Let's democratize fashion" beschrieb er die Mission seines Arbeitgebers.


Internet World 2016: Moritz Hau von Zalando.
Moritz Hau von Zalando auf der Internet World 2016.

Mode sei bis zur Industrialisierung (Mitte 18. Jh.) höchst undemokratisch gewesen: Nur ein kleiner wohlhabender Kreis konnte Kleidung modisch nutzen, für die breite Masse waren Anziehsachen reine Funktionsträger.

Mittlerweile sei Mode demokratisiert: Via Social Media entstünden immer mehr Mode-Trends und -Trendsetter.

Je breiter das Mode-Angebot werde, umso individualisierter müsse die Kundenansprache sein.

Zalando wolle das Modesystem vernetzen und zum "Betriebssystem" (O-Ton) dieses Netzwerkes werden: Kunden auf der einen Seite, Modeanbieter (Marken, Händler, Produzenten/Fabriken) auf der anderen.

Soweit der Zalando-Vortrag: Er blieb blass, wenig aussagekräftig und etwas diffus. Schade. Die Kollegen von eBay sollten es anschließend deutlich besser machen:

eBay als Partner des Handels?

Stephan Zoll ist Vice President bei eBay Germany – seine Keynote lautete "Die Zukunft von Online-Marktplätzen als Treiber des digitalen Handels".


Internet World 2016: Stephan Zoll von eBay Germany.
Stephan Zoll von eBay Germany auf der Internet World 2016.

Er startete mit spannenden Zahlen: Mit einer Wahrscheinlichkeit von mindestens 75 Prozent würden im Jahr 2025...
  • internetfähige Kleidungsstücke (sog. Wearables) alltäglich sein,
  • 3D-Drucker Autos produzieren,
  • 90 % der Menschheit Internet-Zugang haben (aktuell sind es weniger als 50 %),
  • 10 % aller Fahrzeuge auf US-Straßen selbständig fahren.

Für den Handel bedeute dieser digitale Fortschritt:
  • eine höhere Vernetzung, 
  • beschleunigte Technologien
  • und vor allem steigende Kundenerwartungen.

eBay erwartet folgende Trends im E-Commerce:
  • 3D-Printing
  • Liefer-Drohnen 
  • Virtual Reality Shopping
  • Social Shopping
  • Instore-Digitalisierung

Die dringlichsten Fragen aus Händler-Sicht seien:

➧ Wie können E-Commerce-Kanäle optimal für das Geschäft genutzt werden?

➧ Wie können Konsumenten überall erreicht werden?

➧ Wie können neue Märkte erschlossen und wie kann global gehandelt werden?

Online-Marktplätze seien reichweitenstark und böten Händlern den Zugang zu Mobile Commerce und dem globalen Markt. Bei all dem sehe sich eBay als Partner des Handels, nicht als dessen Wettbewerber.

Abschließend stellte Stephan Zoll das eBay-Projekt Mönchengladbach vor: 70 stationäre Händler aus der Stadt im westlichen Nordrhein-Westfalen seien unter www.ebay.de/rpp/mg involviert, 200.000 Artikel seien online verfügbar.

In den ersten drei Monaten seien 32.000 Artikel in 53 Länder verkauft worden. Pro aktivem Händler werde ein zusätzlicher Jahresumsatz von 90.000 Euro erwartet.

CRM: Der Gruß-Kaschper hat ausgedient

Michael Hubrich ist Senior Vice President Sales beim E-Commerce-Software-Anbieter hybris, der mittlerweile zu SAP gehört. Sein launiger Vortrag auf der Internet World 2016 hieß: "The Era of me: Kunden gewinnen und binden im digitalen Zeitalter".


Internet World 2016: Michael Hubrich von SAP/hybris.
Michael Hubrich von SAP/hybris auf der Internet World 2016.

Kundenbeziehungsmanagement könne nicht funktionieren, wenn Unternehmen zu viele verschiedene Systeme dafür nutzten.

Der Kunde denke nicht in Kanälen, weshalb sein Einkaufserlebnis nahtlos sein müsse.

Die aus Mode-Häusern bekannten "Gruß-Kaschper" (= übermotivierte Verkäufer, die Besucher mit 20 "Grüß Gotts/Guten Tags" im Laden überfallen) dürfe es online in Form unpersonalisierter Massen-Newsletter nicht geben.

Auch 2016 könnten Unternehmen mehrheitlich keine Omni-Channel-Lösungen und keine nahtlose Customer Journey bieten.

Der CRM-Markt müsse neu gedacht werden: Die neue CRM-Generation müsse mit dem Kunden sprechen, nicht über ihn.

Alibaba als Online-Pforte zum chinesischen Markt?

Programmpunkt 4 von 4 meines ersten Tages auf der Internet World 2016:

Terry von Bibra ist Managing Director Germany bei der Alibaba Group: Das chinesische Unternehmen betreibt etliche Online-Plattformen, darunter das B2B-Portal Alibaba.com und das Online-Auktionshaus Taobao. Die Alibaba Group gilt als größte IT-Firmengruppe Chinas.

Terrys englischsprachiger Vortrag hieß: "Alibaba group: A gateway to China".


Internet World 2016: Alibaba-Mann Terry von Bibra.
Alibaba-Mann Terry von Bibra auf der Internet World 2016.

Er bot interessante Fakten zu dem hierzulande wenig bekannten, global aber immens erfolgreichen Unternehmen:

➧ Die 1999 gegründete Alibaba Group will ausdrücklich kleine Unternehmen weltweit unterstützen.

➧ Online-Shopping in China funktioniere gänzlich anders als in Europa oder den USA: Da es keine chinesische Offline-Handelstradition gäbe, sei der Online-Handel aus dem Stand zum Mainstream geworden.

➧ Amazon müsse sich in China mit einem Marktanteil von 1,1 % begnügen, Platzhirsch sei (das der Alibaba Group gehörende) Tmall.com.

➧ Marken seien den Chinesen sehr wichtig: Produkte deutscher Hersteller sollten demnach in Deutschland gefertigt sein – nicht in China.

➧ Da bislang nur 50 % der chinesischen Bevölkerung online seien, sei das E-Commerce-Potenzial in Fernost immens.

Internet World 2016: Was bot Tag 2?

Soweit mein Rückblick auf den ersten Tag in München.

Im zweiten Teil von "Internet World 2016: München shoppt online" erwarten euch unter anderem die Themen GAFA-Monopol und Content Marketing mit Videos – sowie schicke Bilder vom Messegeschehen.

Bis denn! ;-)

Kommentare

Mathias Sauermann

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