Digitale Transformation: So macht euer Unternehmen den ersten Schritt

Wie kann sich der Mittelstand erfolgreich digitalisieren? Es braucht Interesse, Diskussion, Offenheit, Mut und Flexibilität. Dieser Beitrag bietet einen kleinen Leitfaden mit Tipps, die jedes Unternehmen sofort umsetzen kann.

Digitalisierung im Mittelstand
(Digital unter CC0 1.0)

Digitalisierung, Industrie 4.0, Disruption, Internet der Dinge – pausenlos prasseln diese Buzz-Words auf Unternehmer und Entscheider ein. Augen schließen und Ohren zuhalten? Das käme einem betriebswirtschaftlichen Suizidversuch gleich…

…Fakt ist: Die Digitalisierung ist kein vorübergehender Hype wie die Dotcom-Blase Anfang der 2000er Jahre. 2016 gilt: Wer morgen noch voll wettbewerbsfähig sein will, muss sich der digitalen Transformation stellen und sie angehen.

Digitalisierung: Wo und wie anfangen?

Aktionismus und Hektik wären jetzt Gift: In einem ersten Transformationsschritt geht es nicht darum, für teures Geld schnell die Unternehmens-IT aufzurüsten, digitale Geschäftsmodelle aus dem Boden zu stampfen oder das Online-Marketing-Budget zu verdreifachen.

Kleine und mittlere Unternehmen sollten stattdessen jetzt (!) damit beginnen, das Thema Digitalisierung nachdrücklich und stetig intern zu diskutieren. Bringt es auf euren Radar und haltet es dort.

Digitalisierungs-Workshops: Die Weisheit der Vielen

Digitalisierungs-Workshop: Die Weisheit der Vielen
(Team unter CC0 1.0)

Ihr seid nur zwei Schritte von eurem unternehmensinternen Digitalisierungs-Workshop entfernt:

Schritt 1: Definiert einen Projektleiter für das Thema digitale Transformation in eurem Unternehmen. Das muss nicht zwangsläufig ein Digitalisierungs-Experte sein, wohl aber jemand, der sich für das Thema interessiert – auch abseits der Arbeit. Die Expertise kommt dann von ganz alleine.

Hier braucht es einen enthusiastischen, aber reflektieren Überzeugungstäter, Koordinator und Motivator – ausdrücklich keinen Befehlshaber.

Schritt 2: Definiert Mitarbeiter eures Unternehmens, die regelmäßig (idealerweise wöchentlich) an dem unternehmensinternen Digitalisierungs-Arbeitskreis teilnehmen. Diese Mitarbeiter sollten...
  • am Thema digitale Transformation interessiert sein,
  • möglichst viele Abteilungen und Bereiche eures Unternehmens repräsentieren,
  • und optimistische, interessierte Charaktere sein (Miesepeter und Apokalyptiker haben bislang noch keinem Workshop gutgetan).
Haltet diesen Arbeitskreis/Workshop offen und bewerbt ihn firmenintern: Wer mitmachen will, sollte jederzeit willkommen sein. Bitte beachten: Es bringt nichts, jemanden zur Teilnahme zu verdonnern.

Gestaltet diese Treffen angenehm: Hier geht es um Ideen, Diskussion, Kreativität, Austausch, um die Weisheit der Vielen. Starre Regeln, Anordnungen oder Pflichten würden diesen Innovations-Prozess massiv ausbremsen.

Wichtige Voraussetzung: An den Meetings muss mindestens ein Vertreter eurer Chefetage regelmäßig (!) teilnehmen. Digitalisierung muss vorgelebt werden: Ihr werdet eure Mitarbeiter nur dafür begeistern können, wenn der Chef motiviert, interessiert und optimistisch bei dem Thema vorangeht.

Digitalisierungs-Ideen: Macht sie zugänglich


Digitale Transformation: Informiert eure Mitarbeiter.
(information unter CC0 1.0)

Ihr solltet alle Ideen eines jeden Workshop-Termins sammeln und redaktionell aufbereiten.

Gut geeignet hierfür ist ein Dokument (MS Powerpoint/Word oder Google Presentation/Docs) in der Cloud (zum Beispiel Microsoft OneDrive oder Google Drive) – dann können alle Interessierten die Dokumente direkt online einsehen und bearbeiten. Der Projektleiter muss keine Anhänge durch die Gegend schicken.

Hinweis: Beim Cloud-Einsatz bitte die Datenschutz-Compliance eures Unternehmens beachten.

Weist eure Belegschaft regelmäßig auf die Workshop-Ergebnisse und die nächsten Workshop-Termine hin: So kann jeder einsehen, welche Themen der Digitalisierungs-Arbeitskreis behandelt – und bekommt vielleicht Lust mitzumachen.

Ganz wichtig: Schließt jedes wöchentliche Digitalisierungs-Treffen mit einer Frage, die ihr beim nächsten Workshop-Termin wieder aufgreifen wollt. So stellt ihr sicher, dass ihr euch voran und nicht im Kreis bewegt.

Workshop Digitale Transformation: Die Leitfragen 

Anbei einige Vorschläge für Diskussionsthemen, mit denen eure Digitalisierungs-Workshops zünden:

1. Stichwort Disruption:

➧ a) Gibt es bestehende oder mögliche digitale Geschäftsmodelle und Mitbewerber, die eurem Unternehmen Marktanteile streitig machen könnten?

Beispiel: Die Taxibranche sah Uber nicht kommen, die Hotelbranche hatte Airbnb nicht auf dem Radar. Beide Branchen werden gerade durchgeschüttelt.

➧ b) Wie offen ist euer Unternehmen für Kooperationen?

Beispiel: Während deutsche Autokonzerne Gespräche mit US-Digital-Unternehmen kategorisch ablehnen, setzen sich Fiat Chrysler, Ford und Volvo mit Google an einen Tisch.

➧ c) Fehlt eurem Geschäftsmodell eine digitale Komponente, die euch wettbewerbsfähiger machen würde?

Beispiel E-Commerce: Ein stationärer Händler ohne Online-Shop erreicht nur einen Bruchteil seiner Zielgruppe.

Beispiel Industrie 4.0: Eine vernetzte Produktion ermöglicht eine individualisierbare Fertigung in kleinen Stückzahlen zu bezahlbaren Kosten.

Beispiel Internet der Dinge: Sind eure Produkte onlinefähig oder könnten sie es werden? Sind die Produkte eurer Mitbewerber onlinefähig?

Beispiel Kundenkommunikation: Ein Unternehmen ohne Social-Media-Präsenzen bietet weniger Online-Touchpoints als Mitbewerber, die ausgewählte Plattformen nutzen und pflegen.


2. Stichwort Wettbewerb:

a) Wie weit ist die digitale Transformation bei euren Mitbewerbern gediehen? Kann euer Unternehmen mithalten oder werdet ihr gerade abgehängt?

b) Sind all (!) eure Unternehmensbereiche an den Bedürfnissen eurer Kunden ausgerichtet?


3. Stichwort Big Data:

Wie viele und welche Zielgruppen-Daten besitzt euer Unternehmen und wie könnt ihr diese Big-Data-Schätze heben und nutzen?

➧ Beispiel: Ein Mittelständler, der 2016 bei seinen Kundendaten noch mehrheitlich auf Excel-Tabellen und Papier setzt, kann diese Daten nur isoliert nutzen und schlecht weiterverarbeiten.


4. Stichwort Kostenersparnis:

Wie viele Kosten kann euer Unternehmen einsparen, wenn es sich digitalisiert?

➧ Beispiel: Statt Software-Lösungen als teure Komplettpakete zu kaufen und selbst zu installieren, können Software-as-a-Service-Lösungen aus der Cloud deutlich günstiger sein.

Digitale Transformation: Macht den ersten Schritt

Die digitale Transformation beginnt im Kopf.
(Change unter  CC0 1.0)

Die oben genannten Tipps wollen keine fundierte Digital-Strategie sein und sie garantieren auch keine erfolgreiche digitale Transformation. Aber sie holen euer Unternehmen aus dem Digital-Tiefschlaf und zeigen:

➧ Ihr müsst kein Großkonzern mit Millionenbudgets sein, um euch erfolgreich zu digitalisieren.

➧ Bereits mit euren vorhandenen Ressourcen könnt ihr das Thema Digitalisierung vorantreiben und vor allem lebendig diskutieren.

Gefährlich wird es, wenn euer Unternehmen an einer passiven "Es-soll-alles-bleiben-wie-es-ist"-Mentalität festhält. Das haben Unternehmen wie Kodak, Nokia oder Blaupunkt getan. Was war die Folge?

Digitalisierung heißt in einem ersten Schritt: Diskutieren, Meinungen austauschen, Ergebnisse sammeln, Gedanken weiterspinnen, Ideen aufnehmen, Entwicklungen beobachten, Dinge ausprobieren. Und das iterativ – sich wiederholend und schrittweise einer Lösung nähernd.

Die Starken, die Intelligenten – und die Anpassungsfähigen

Zum Abschluss ein strapaziertes Zitat, das gerne Charles Darwin in den Mund gelegt wird (er hat’s nicht gesagt):

Nicht der Stärkste überlebt, nicht einmal der Intelligenteste, sondern derjenige, der sich am schnellsten einem Wechsel anpasst.

Wer hat’s gesagt? Da streiten sich die Gelehrten. Ich behaupte: Wer auch immer es war – er/sie hatte und hat recht!

Ich wünsche euch eine anpassungsfähige Unternehmens-DNA und erfolgreiches Digitalisieren.

Kommentare

Mathias Sauermann

Mathias Sauermann
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