Hassrede im Internet: Wie bösartig ist das Web?

Beleidigungen, Attacken, unverhohlene Aggression: Wer sich mit Online-Kommentaren und Social-Media-Posts auseinandersetzt, kann den Glauben an die Menschheit verlieren. Verdirbt uns das Internet?


Hassrede im Internet
(Monster unter CC0 1.0)

Eine Forsa-Studie von 2016 sieht Hass im Web als gesamtgesellschaftliches Problem. Zitat:

"Die Hassrede richtet sich gegen bestimmte Personen oder Personengruppen und beinhaltet Äußerungen von Hass, Gewaltandrohungen oder auch die Anstiftung zu Gewalt. Hate Speech kann sich gegen Personen richten aufgrund von ethnischer Zugehörigkeit, nationaler Herkunft, sexueller Orientierung, Geschlecht, religiöser Zugehörigkeit, Alter, Behinderung oder Krankheit."

Es scheint jedoch eine Online-Mehrheit zu geben, die solche Auswüchse zumindest nicht gutheißt. Zwei Statistiken dazu:

Statistik: Finden Sie es grundsätzlich richtig, dass die Polizei gegen die Verfasser von Hass- und Hetzbeiträgen im Internet vorgeht? | Statista
Mehr Statistiken findet ihr bei Statista.

Statistik: Was würden Sie tun, wenn Sie in sozialen Netzwerken auf Hass- und Hetzbeiträge stoßen? | Statista
Mehr Statistiken findet ihr bei Statista.

Hate Speech: Trolle & Glaubenskrieger

Die österreichische Journalistin Ingrid Brodnig ist Autorin des Buches "Hass im Netz. Was wir gegen Hetze, Mobbing und Lügen tun können". In einem Interview mit Zeit Online benennt sie zwei Gruppen unguter Web-User:

1. Trolle: Sie wollen andere User ärgern oder verzweifeln lassen. Trolle halten sich für intellektuell überlegen, ihr Hauptantrieb sind sadistische Tendenzen.

2. Glaubenskrieger: Sie wähnen sich in einem Informationskrieg und glauben, die Wahrheit zu kennen. Argumentativ sind sie nicht mehr zu erreichen.

Empathie bedeutet, sich in andere Menschen einfühlen zu können. Fehlen der Kommunikation die nonverbalen Aspekte (Gestik, Mimik, etc.), wird Empathie erschwert: Täter sehen im Web nicht die Schäden und Verletzungen, die sie anrichten. Es fehlt der Augenkontakt, der Einfühlungsvermögen erleichtert.

Hass im Web: Die brüllende Minderheit?

In einem Saal befinden sich 100 Leute. 99 denken "Ja!", einer brüllt "Nein!". Wen hört man?

Ähnlich verhält es sich im Web, denn hier greift die 90-9-1-Regel (mittlerweile auch 70-20-10-Regel genannt). Ausgehend von 100 Usern besagt sie:

➧ 90 (70) verhalten sich passiv, sie lesen und surfen nur,
➧ 9 (20) kommentieren Web-Inhalte (z. B. einen News-Artikel),
➧ 1 (10) erstellt/erstellen aktiv Inhalte (z. B. Blog-Beiträge).

Eine aktuelle Statistik, die dies untermauert:

Statistik: Haben Sie selbst schon ein- oder mehrmals zu einem Artikel, der auf einer Nachrichtenseite im Internet erschienen ist, einen Kommentar geschrieben oder haben Sie das noch nie gemacht? | Statista
Mehr Statistiken findet ihr bei Statista.

Was heißt das für das Thema "Hassrede im Web"? Ich wage zu behaupten: Eine brüllende Minderheit und eine schweigende Mehrheit erwecken den irrigen Eindruck, das Internet sei ein hasserfüllter Ort.

Auch glaube ich nicht, dass das Web Menschen verdirbt. Letztlich bringen die Trolle und Glaubenskrieger ihre charakterlichen Defizite bereits mit – oder wie es Dr. Astrid Carolus vom Lehrstuhl Medienpsychologie der Uni Würzburg im Interview mit mir schilderte:

"Solche Kommentare können nur das abbilden, was in diesen Menschen bereits vorhanden ist. Insofern kommen online wahrscheinlich nur Dinge zum Vorschein, die sich auch in der Offline-Welt zeigen. Würden wir heimlich Stammtische in der Offline-Welt belauschen, würden wir zusammenzucken angesichts dessen, was die Leute von sich geben."

Lasst es mich wissen: Wie gut oder böse ist eurer Meinung nach das Web?

Quellen & Link-Tipps:

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Mathias Sauermann

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