Quo vadis, Apple: Entwickelt sich Steve Jobs’ Erbe zu Fallobst?

Apple zeigte jüngst seinen Digital-Assistenten HomePod: In meinen Augen ein designtechnischer und konzeptioneller Fehlgriff, den es so unter Steve Jobs nicht gegeben hätte. Wieder drängt sich mir die Frage auf: Sind Apples Glanzzeiten vorbei?

Innovation: Verpasst Apple den Anschluss?
(Apple unter CC0 1.0)

Auch wenn euer Blogger nie ein Apple-Fan war: Ich schätze und respektiere die Brillanz, mit der Steve Jobs (ungeachtet seiner charakterlichen Schattenseiten) diese Marke in den Branding-Olymp erhob – inklusive stets performanter und benutzerfreundlicher Technik.

Doch wie viel Innovations- und Strahlkraft besitzt Apple jetzt noch, knapp sechs Jahre nach Jobs’ Tod?

Wo steht Apple 2017 betriebswirtschaftlich?

Das Unternehmen aus dem kalifornischen Cupertino im Silicon Valley gehört zum sogenannten GAFA-Monopol, den vier Mega-Playern der Digital- und Tech-Branche: Google - Amazon - Facebook - Apple. Im internen Ranking dieser Big 4 hat Apple mehrfach die Nase vorn (Jahresergebnisse 2016):

➧ Platz 1 bei Marktkapitalisierung/Börsenwert (Aktienkurs multipliziert mit der Anzahl frei umlaufender Aktien): 804 Milliarden $
➧ Platz 1 beim Umsatz: 216 Milliarden $
➧ Platz 1 beim Nettogewinn: 46 Milliarden $

Bei der Gewinnmarge (prozentualer Anteil des Nettogewinns am Umsatz) reicht es jedoch mit 21 % nur für Platz 3 (hinter Facebook und Google).

Umsatztreiber iPhone: ein Klumpenrisiko?

Kurzer Ausflug in die Aktien-Welt: Bei der Wertpapieranlage entsteht ein sogenanntes Klumpenrisiko, wenn ihr "alle Eier in einen Korb legt", also in wenige Einzelwerte investiert statt breit zu streuen.

Bricht der Einzelwert ein, bricht eure gesamte Wertpapieranlage mit ein (fragt mal Menschen, die in den 1990ern eifrig in die "Volksaktie" der Telekom investierten…). Habt ihr über viele Werte gestreut, wird der Einbruch eines Einzelwertes dagegen abgefedert.

Ein vergleichbares Klumpenrisiko scheint Apple bei seinen Umsatztreibern zu haben. So setzte sich der Erlös 2016 zusammen (Quelle siehe oben):
  • 63 % ➧ iPhone
  • 11 % ➧ Mac
  • 11 % ➧ "Services"
  • 10 % ➧ iPad
  • 05 % ➧ "andere Produkte"

Es zeigt sich: Apples Umsatz steht und fällt mit einem einzigen Hardware-Produkt, dem iPhone. Wie hat sich dessen Absatz entwickelt?

Statistik: Absatz von Apple iPhones weltweit in den Geschäftsjahren 2007 bis 2016 (in Millionen Stück)
Mehr Statistiken findet ihr bei Statista.

Und wie schlägt sich das Betriebssystem iOS verglichen mit seinen Mitbewerbern weltweit?

Statistik: Marktanteile der führenden mobilen Betriebssysteme an der Internetnutzung mit Mobilgeräten weltweit von September 2009 bis Mai 2017
Mehr Statistiken findet ihr bei Statista.

Nun könnte man einwerfen, dass auch Google/Alphabet und Facebook ein Klumpenrisiko haben: Beide sind fast komplett werbefinanziert. Gegenargument meinerseits: Werbemodelle sind flexibler als Hardware-Produkte. Das macht Google und Facebook in meinen Augen agiler und anpassungsfähiger als Apple.

Wie innovativ kann Apple noch sein?

Es wird für mich nicht deutlich, wohin Apple will. Der HomePod wirkt wie ein halbherziger Versuch, auch einen Digital-Assistenten bieten zu können – ohne ähnliche Smart-Home- oder KI-Ambitionen zu haben wie Google (Home) oder Amazon (Echo).

Eine Kampfansage klingt anders – und ganz ehrlich: Wie viele Digital-Assistenten will der Otto-Normal-Verbraucher in seinen vier Wänden stehen haben? Mit "Hallo, wir haben jetzt einen halbwegs intelligenten Luxus-Lautsprecher" kommt man nicht weit. Vor allem, wenn der Spaß zwei- bis dreimal so teuer ist wie die Produkte von Amazon und Google. Das Design? "Hübsch und stilsicher" geht in meinen Augen anders...

Plattform-Ökonomie, Künstliche Intelligenz, Smart Home, autonomes Fahren, Cloud-Computing – spielt Apple bei diesen Themen inhaltlich (nicht finanziell) wirklich in der Champions League mit? Ich habe nicht den Eindruck.

Apple erinnert mich 2017 an einen schicken, edlen, chromeglänzenden Luxus-Liner: eindrucksvoll, stattlich, hochwertig, komfortabel – aber eben auch langsam, behäbig und genügsam.

Apple: Eure Prognosen sind gefragt

Soweit mein bewusst frecher Beitrag zum Thema "Quo vadis, Apple?".

Lasst es mich wissen: Wie schätzt ihr Apples Zukunftsfähigkeit ein?

Kommentare

Mathias Sauermann

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