Pre-Crime: Mit Big Data Verbrechen verhindern – und Menschen ächten?

Ob Gewaltverbrechen, Wohnungseinbrüche oder Diebstahl: Kann man Delikte im Digitalzeitalter datenbasiert vorhersagen und verhindern? Mit dieser Frage und den damit verbundenen Chancen und Risiken beschäftigt sich die 90-minütige Dokumentation "Pre-Crime".


Mein Kinoticket für die Doku "Pre-Crime"

Wer sind die Macher des Films?

Monika Hielscher und Matthias Heeder leben in Hamburg und produzieren seit mehr als zwei Jahrzehnten investigative Dokumentarfilme unter anderem für ARD, ZDF und Arte.

Um was geht es in "Pre-Crime"?

"Predicitve Policing" nennt sich das datenbasierte Vorgehen, welches in den USA, England und auch Deutschland bereits Realität ist: Straßenzüge und Viertel werden algorithmisch klassifiziert nach der statistischen Wahrscheinlichkeit, mit der sich Verbrechen in ihnen ereignen.

In den USA erstellt die Polizei sogenannte "Heat Lists": Auf ihnen werden algorithmisch potenzielle Täter vermerkt – Personen, die bereits straffällig geworden sind und/oder sich in "deliktnahen Kreisen" (Familie, Freunde, Bekannte) aufhalten.

"Predicitve Policing": datenbasierte, prophylaktische Polizeiarbeit
(Police cars unter CC0 1.0)

Befürworter der datenbasierten Polizeiarbeit betonen die Chancen: Verbrechen sollen im Keim erstickt werden, oder wie es eine in der Doku interviewte deutsche Streifen-Polizistin sinngemäß formuliert: Man kann bei 97 % der Personenkontrollen falsch liegen – bei drei Prozent aber eben richtig.

Datengetriebene Stigmatisierung?

Die Risiken dieser Technologie sind offensichtlich: Wer in ein "algorithmisches Täterprofil" passt, gilt als verdächtig. Wer einmal auf einer "Heat List" landet, kommt so schnell nicht mehr von ihr runter. Geringverdiener, Arbeitslose, Minderheiten: Eindrücklich und glaubhaft schildern Betroffene, wie sie in einer sozialen Sackgasse gefangen bleiben. Statt ihnen Auswege und Aufstiege zu ermöglichen, werden sie datengetrieben und algorithmisch gebrandmarkt.

Die Dokumentation wirft viele Fragen auf, gibt aber keine finalen Antworten – was ich nicht als Schwäche sehe, im Gegenteil: Filme wie "Pre-Crime" sind genau das, was wir brauchen, um das Thema Digitalisierung in einen breiten öffentlichen Diskurs zu bringen. Und je früher diese öffentlichen Diskussionen starten, desto besser. Im besten dialektischen Sinne brauchen wir Thesen, Antithesen und daraus resultierende Synthesen. Dies alles mit dem Ziel, die digitale Transformation gemeinsam zu gestalten und in positive Bahnen zu lenken.

"Pre-Crime" zeigt: Wir brauchen angesichts stetig wachsender personenbezogener Datenberge eine fortschrittliche Rechtslage. Sie muss unter anderem beantworten, welche Rechte ein Betroffener hat, der auf einer "Heat List" steht.

Wenn Big Data und Algorithmen tatsächlich Verbrechen verhindern, kann man diese Entwicklung begrüßen. Wenn sie jedoch auch dazu führen, dass Menschen stigmatisiert und diskriminiert werden, muss es jedem Einzelnen möglich sein, in der Digital-Sphäre seine Persönlichkeits- und Menschenrechte geltend zu machen.

Mini-Exkurs: Big Data in Gänze zu verdammen, wäre definitiv der falsche Weg. Vor allem im Bereich der datenbasierten Geschäftsmodelle (Stichwort Plattform-Ökonomie) würden wir so den Innovationsdruck der Wirtschaft massiv schwächen. Ein Thema wie personalisierte Inhalte auf Facebook & Co. sehe ich in einer anderen Liga als die in "Pre-Crime" geschilderten Szenarien gleichwohl "Predictive Policing" auch auf diese Daten zugreifen will.

"Pre-Crime": Lohnt sich der Kino-Besuch?

Definitiv ja. Auch wenn das Marketing zum Film etwas reißerisch ist, so ist die eigentliche Doku interessant, ausgewogen und realitätsnah. Manch Rezensent bemängelte, dass wichtige Fragen unbeantwortet bleiben. Ich halte dagegen: Der Job von Doku-Filmemachern ist es nicht, uns fertige Antworten zu liefern – sondern Stoff zum Nachdenken, Reflektieren und Diskutieren.




Lasst es mich wissen: Habt ihr "Pre-Crime" gesehen und falls ja, wie hat er euch gefallen?

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Kommentare

Mathias Sauermann

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