Digitalisierung mit Kopf & Herz: Warum wir mehr Mut brauchen

Wie blicken Menschen weltweit auf die digitale Transformation? Das untersucht der "Digital Society Index" in seiner aktuellen Ausgabe unter dem Titel "2018 – Framing the Future". Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick.


Digitalisierung mit Kopf & Herz: Warum wir mehr Mut brauchen
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Wer sind die Studienmacher?

Das Dentsu Aegis Network ist eine Agenturgruppe für Kommunikations- und Mediaberatung mit Hauptsitz in London. Das Unternehmen ist mit über 40.000 Mitarbeitern in 145 Ländern vertreten.

Gemeinsam mit den Analysten von Oxford Economics erarbeitete man ein Modell, welches den Digitalisierungsgrad einzelner Länder erfassen soll.

Was untersucht die Studie?

Drei Leitfragen:
1. Wie gut gelingt einzelnen Ländern der Übergang zur Digital-Wirtschaft?
2. Wie stark sind die Menschen in diesen Übergang eingebunden?
3. Was sind die Treiber in den nationalen Digital-Wirtschaften?

Der Digitalisierungs-Status eines Landes bemisst sich dabei anhand dreier Aspekte:

1. Dynamik: Wie trägt die Informations- und Kommunikationstechnologie-Branche eines Landes zu dessen Wachstum bei?

2. Digitale Teilhabe: Wie gut gelingt es einem Land, Wohlstand zu schaffen, indem es die Digital-Wirtschaft für alle zugänglich macht (Infrastruktur, Digital-Kompetenzen, Jobs)?

3. Vertrauen: Wie gut gelingt es den Verantwortlichen, Wachstum durch Datenschutz- und IT-Sicherheits-Systeme sowie digitalen Optimismus voranzutreiben?

Die Studie befragte dazu im Sommer 2017 20.000 Menschen und untersuchte die volkswirtschaftlichen Daten der folgenden Länder: Australien, China, Frankreich, Deutschland, Italien, Japan, Russland, Spanien, Großbritannien, USA.

Digitalisierung: Gefühlslage wichtiger als Technologie

Die Studienmacher betonen, dass digitaler Fortschritt sich weniger über neue Technologien definiere. Wichtiger sei die Frage, wie positiv und engagiert die Menschen einer Volkswirtschaft der Digitalisierung gegenüberstünden.

Die Logik leuchtet ein: Wer ängstlich oder misstrauisch ist, vermeidet eine positive Beschäftigung mit dem, was ihn beunruhigt. Heißt im vorliegenden Fall: Wer mehrheitlich negativ auf die digitale Transformation blickt, bremst sie aus.


Digitalisierung: Gefühlslage wichtiger als Technologie
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3 Länder sind digitale Vorreiter

Platz 1 geht an Großbritannien: Das Königreich ist laut der Studie sehr stark im Bereich der digitalen Teilhabe: Informations- und Kommunikationstechnologien seien in Erziehung und Bildung verankert, der Internetzugang sei hochwertig und die Wirtschaft setze auf digitale Technologien.

Auf Platz 2 folgen die USA: Sie seien führend in der digitalen Wertschöpfung – schwächeln jedoch bei den Themen Datenschutz, IT-Sicherheit und Digital-Optimismus.

Dritter auf dem Treppchen ist China: Die Volksrepublik performe relativ schwach bei der digitalen Wertschöpfung, profitiere aber von einem breiten öffentlichen Vertrauen in das Potenzial der Digital-Wirtschaft.

Das weltweite Vertrauen in die Digitalisierung

Tatsächlich sind die am weitesten entwickelten Volkswirtschaften besonders skeptisch, wenn es um digitale Themen geht. Folgend der prozentuale Anteil digitaler Optimisten:
  • China (73 %)
  • Russland (50 %)
  • Spanien (48 %)
  • Italien (46 %)
  • Frankreich (44 %)
  • USA (41 %)
  • Australien (41 %)
  • Großbritannien (40 %)
  • Deutschland (38 %)
  • Japan (32 %)
Auch Alter und Geschlecht seien relevant: Je jünger die Befragten waren, desto positiver schätzten sie die digitale Transformation ein (Ausnahmen sind Frankreich und Japan). Und: Männer sehen die Digitalisierung tendenziell positiver als Frauen.

Zwar gehen 65 Prozent aller Befragten davon aus, dass die positiven Aspekte digitaler Technologien die negativen überwiegen werden. Im Detail zeigt sich aber auch viel Pessimismus: Nur 29 Prozent glauben, dass die Digitalisierung Arbeitsplätze schaffen wird. Und nur 42 Prozent können sich vorstellen, dass der digitale Fortschritt Armut, Gesundheitsrisiken oder Umweltprobleme eindämmen kann.

Wie können wir digitalen Optimismus fördern?

Zwei Vorschläge der Studie seien hier genannt:

1. Aus- und Fortbildung: Das Prinzip "lebenslanges digitales Lernen" müsse gelebt und gefördert werden.

2. Persönliche Daten: Der Umgang mit ihnen müsse transparenter werden. Wer das Gefühl habe, die Nutzung seiner Daten tatsächlich kontrollieren zu können, begegne dem Thema Digitalisierung offener.

Fazit: Wir brauchen mehr digitalen Mut!

"Wer viele Schätze anhäuft, hat viel zu verlieren" – dieses Zitat des chinesischen Philosophen Laotse (6. Jh. v. Chr.) erklärt vielleicht, warum wirtschaftlich sehr starke Länder die Digitalisierung skeptisch sehen.

Übertriebene Skepsis kann gefährlich werden: Dass Ökonomie zu 50 Prozent Psychologie ist, betonte bereits der "Vater des deutschen Wirtschaftswunders" und ehemalige Bundeskanzler Ludwig Erhard (1897-1977). Mit der Digitalisierung verhält es sich ähnlich: Die sich selbsterfüllende Prophezeiung funktioniert im Guten wie im Schlechten.

➤ Wer das Negative fokussiert, arbeitet unbewusst darauf hin. Wer sich auf das Positive konzentriert, bewegt sich in dessen Richtung.

Ich denke: Die Digitalisierung bringt uns etliche tolle Chancen, die wir ergreifen sollten – ohne die Risiken zu ignorieren. Den Schwerpunkt sollten wir aber stets auf das konstruktive Gestalten legen. Oder mit den Worten einer europäischen Geistesgröße, dem französischen Schriftsteller Victor Hugo (1802-1885):

"Die Zukunft hat viele Namen. Für die Schwachen ist sie das Unerreichbare. Für die Furchtsamen ist sie das Unbekannte. Für die Tapferen ist sie die Chance."

Lasst es mich wissen: Mit welchen Gefühlen blickt ihr auf das Thema Digitalisierung?

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Mathias Sauermann

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