SEO-Sichtbarkeitsindex: Was er kann – und was nicht

Ein einziger Wert, der auf einen Blick den SEO-Erfolg einer Website darstellt? Nicht wirklich. Viele missinterpretieren den Sichtbarkeitsindex als vermeintlich wichtigste Kennzahl der Suchmaschinenoptimierung. Zeit, das Thema in ein realistisches Licht zu rücken.


Was taugen SEO-Sichtbarkeitsindizes?
(SEO / Pixabay-Lizenz)

Was ist ein Sichtbarkeitsindex?

Eine Domain ist die Adresse einer Website (z. B. amazon.de). Sichtbarkeitsindizes versuchen abzubilden, wie sichtbar eine Domain in den unbezahlten (organischen) Google-Suchergebnissen ist.

Sichtbarkeitsindizes arbeiten mit einer nach oben offenen Skala: Wichtiger als der absolute Wert ist die Wert-Entwicklung (steigend/fallend) sowie der Vergleich mit den Werten der Mitbewerber-Domains. Auf diesem Wege kann sich zum Beispiel adidas.de mit nike.com messen.

Beispielhafte Darstellung eines SEO-Sichtbarkeitsindex


In der Standardvariante nutzen Sichtbarkeitsindizes einen äußerst großen, sechsstelligen Pool an thematisch sehr breit gefächerten Keywords. Da ist quer durch alle Branchen alles dabei, was User täglich beim Suchmaschinenriesen eintippen.

Sichtbarkeitsindex-Tools googeln automatisiert diese zigtausend Suchbegriffe, um zu erfassen, wie die zu untersuchende Domain zum jeweiligen Keyword in der unbezahlten Suche rankt. Der Index berücksichtigt neben den Rankings unter anderem folgende Aspekte:

➧ Suchvolumen: Wie häufig wird das jeweilige Keyword gegoogelt?
Keyword-Art: Ist die Suchanfrage informationell (User sucht Antwort: "was sind indexfonds"), navigational (User sucht speziellen Bereich einer Website: "siemens jobs") oder transaktional (User will eine Transaktion durchführen: "möbel kaufen nürnberg")?
Domain-Performance: Zu wie vielen Keywords rankt die zu untersuchende Domain bei Google?

Heißt in der Praxis: Rankt eine Domain zu einem stark nachgefragten Keyword auf Platz 8, ist dies ein stärkeres Signal für den Sichtbarkeitsindex als Platz 2 für ein schwach nachgefragtes Keyword.

Warum sind SEO-Sichtbarkeitsindizes als Kennzahl so beliebt?

Geschäftsführer sind in den seltensten Fällen Online-Marketing-Experten und sie haben wenig Zeit. Ein Sichtbarkeitsindex – vor allem im direkten Vergleich mit den Mitbewerber-Domains – kann jeder in weniger als einer Minute lesen und verstehen.

Zeigt die Kurve nach oben und liegt zudem noch höher als die der Konkurrenz, freut sich der Chef: "Sehr gut, weitermachen! Online-Marketing läuft bei uns."

Wirklich?

Dass ein isoliert betrachteter Sichtbarkeitsindex wenig über den Erfolg eines Online-Auftritts aussagt, wird in der Praxis schnell übersehen (oder bewusst verschwiegen). Professionelles SEO geht anders. Deshalb mein Plädoyer: Seht Sichtbarkeitsindizes realistisch! 

Nachteile von Standard-Sichtbarkeitsindizes

1. Beliebigkeit: In der Standardversion untersuchen Sichtbarkeitsindizes eine Domain hinsichtlich hunderttausender, äußerst allgemeiner Keywords. Geht diese Rechnung bei Enzyklopädien und News-Portalen vielleicht noch auf, wird es bei einem klar definierten Angebot holprig: Was bringt es dem Anbieter hochpreisiger IT-Beratungsleistungen, wenn seine Google-Sichtbarkeit anhand unzähliger Keywords bestimmt wird, die gar nichts mit seinem Business zu tun haben? Relevant sind für ihn einzig die Keywords, die seine Zielgruppe googelt.

2. Visibility ≠ Traffic: Eine hohe Sichtbarkeit ist nicht gleichbedeutend mit vielen Website-Besuchern. Bei Google sichtbar zu sein, heißt noch nicht, den Klick zu bekommen.

3. Conversion-Rate schlägt Sichtbarkeit & Besucherzahl – ein Beispiel:
➧ Der Online-Shop schulranzen-schulze.de hat hohe Sichtbarkeitswerte und 5.000 Besucher pro Monat. 75 davon konvertieren monatlich auf der Website (= werden zu Käufern). Macht eine Conversion Rate von 1,5 %.
➧ Der Mitbewerber schulranzen-meier.de hat geringere Sichtbarkeitswerte und nur 2.500 Besucher pro Monat. 150 davon konvertieren monatlich auf der Website (= werden zu Käufern). Macht eine Conversion Rate von 6 %.

Welche Website würdet ihr als erfolgreicher einstufen?

Vorteile von angepassten Sichtbarkeitsindizes

Einige SEO-Tool-Anbieter (z. B. XOVI und Searchmetrics) ermöglichen es, das Keyword-Set, anhand dessen sich der Sichtbarkeitsindex berechnet, selbst festzulegen. Statt hunderttausende, beliebige Suchbegriffe zu nutzen, definiert ihr für den Index die Keywords, welche eure Zielgruppe auch tatsächlich googelt.

Solch angepasste Sichtbarkeitsindizes bieten folgende Vorteile:
1. Der Sichtbarkeitsindex wird aussagekräftiger.
2. Ebenso der Vergleich mit euren Mitbewerbern.
3. Ihr seht auf einen Blick, wie sich Google-Updates auf eure Sichtbarkeit auswirken.
4. Je höher die Sichtbarkeit bei für euch relevanten Google-Suchen, desto stärker das Branding (= die Markenbildung). Ihr erscheint öfter auf dem Radar eurer Zielgruppe (unabhängig vom Klick).

Doch gilt auch hier: In der für relevante Keywords angepassten Variante sagen Sichtbarkeitsindizes ebenfalls nichts über den unmittelbaren Erfolg eines auf Conversion ausgelegten Online-Auftritts aus.

Was taugen SEO-Sichtbarkeitsindizes also?

Standardvariante (hunderttausende, thematisch sehr breitgefächerte Keywords): Diese Sichtbarkeitsindizes sind für thematisch eng gefasste Websites wenig bis gar nicht aussagekräftig.

Angepasste Variante mit selbst definierten Keywords: Wenn isoliert betrachtet, sind auch diese Indizes für thematisch eng gefasste Websites nur bedingt aussagekräftig.

Angepasste Variante mit selbst definierten Keywords und kombiniert mit z. B. den Kennzahlen "Besucherzahlen" und "Conversion Rate": So werden Sichtbarkeitsindizes für thematisch eng gefasste Websites zu einem sehr guten SEO-Analyse-Baustein.

Fazit: Sichtbarkeitsindizes sind eine SEO-Kennzahl unter vielen

Es ist verlockend, monatlich mit einem frisch ausgedruckten Standard-Sichtbarkeitsindex zum Chef zu marschieren und freudig zu verkünden, dass die Kurve steigt. Betriebswirtschaftlich fundiert ist es aber nicht.

Wenn eure SEO-Erfolgsmessung professionell sein soll, müsst ihr a) den Index auf die für euch relevanten Keywords ausrichten und b) weitere Kennzahlen berücksichtigen. Dies dann so aufzubereiten, dass der Chef es in 60 Sekunden kapiert, ist fordernd – aber lohnenswert.

Lasst es mich wissen: Welche Erfahrungen habt ihr mit SEO-Sichtbarkeitsindizes gemacht?

Kommentare

Mathias Sauermann

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