Online-PR: Was bringen Presseportale wirklich?

Sie existieren massenhaft und versprechen große Reichweiten, gute Google-Rankings und etliche Journalistenkontakte: Presseportale. Zumindest aus SEO-Sicht sind sie jedoch mit Vorsicht zu genießen.

In der SEO-Steinzeit war alles so einfach: Jede online veröffentlichte Pressemeldung brachte Backlinks, man stopfte sie mit Keywords voll und schon ging es mit den Google-Rankings aufwärts...

...Achtung, wichtige Durchsage: Diese Zeiten sind vorbei. Wer heute noch so vorgeht, handelt grob fahrlässig und kriegt von Google was auf die Mütze. Bleibt die Frage: Wie nützlich sind Presseportale heute?

1. Presseportale und Backlinks


Backlinks in Online-Pressemeldungen
(Backlinks von Widjaya Ivan unter CC BY 2.0)

Ein Backlink ist ein Link einer anderen Website auf eure Website. Je mehr Backlinks von hochwertigen Websites, desto besser das Google-Ranking eurer Website.

Wer Googles Marschroute verfolgt, stellt fest: Der Suchmaschinenriese kann immer besser zwischen natürlichen und unnatürlichen Backlinks unterscheiden.

➧ Natürlicher Backlink: Er empfiehlt freiwillig und ohne Hintergedanken den Inhalt der verlinkten Website.

➧ Unnatürlicher Backlink: Er wurde einzig mit dem Ziel gesetzt, die verlinkte Website besser bei Google ranken zu lassen, vielleicht sogar gegen Bezahlung.

Folgt man dieser Logik, sind Presseportale alles andere als vielversprechende Backlink-Lieferanten: Wer online eine Pressemeldung mit Link veröffentlicht, setzt auf einer fremden Website (dem Presseportal) einen Backlink auf seine eigene Online-Präsenz. Das ist streng genommen keine unabhängige Link-Empfehlung und somit auch kein brauchbarer Rankingfaktor.

Hieße in letzter logischer Konsequenz: Google müsste Backlink-Signale von Presseportalen eigentlich komplett ignorieren, schlimmstenfalls abstrafen. Dieses Risiko solltet ihr bei all euren Online-PR-Bemühungen im Hinterkopf behalten.

2. Presseportale und Online-Sichtbarkeit

Losgelöst vom Backlink-Aspekt können Pressemeldungen mit eurer Unternehmensinfo theoretisch gut bei Google ranken. Das steht und fällt aber mit der Ranking-Stärke des jeweiligen Presseportals.

Wie sichtbar (oder unsichtbar) ein Pressportal in den Google-Trefferlisten ist, sagt euch zumindest ansatzweise zum Beispiel die kostenlose Version des Sistrix Sichtbarkeitsindex: Er ist nach oben offen, weshalb ihr die Werte der einzelnen Presseportale vergleichen solltet. Regelmäßige Checks sind hier Pflicht, da jedes Google-Update auch die Sichtbarkeit von Pressportalen betreffen kann.

Ein weiteres hilfreiches (kostenloses) Tool, das (größere) Websites miteinander vergleicht, ist SimilarWeb. Auch hier lohnt ein Check der Presseportale.

Link-Tipps für den Presseportal-Vergleich:

3. Presseportale und Duplicate Content


Online-Pressemeldungen und Duplicate Content
(Day 149 von Pascal unter CC BY 2.0)

"Wir veröffentlichen Ihre Pressemeldung auf drölfzig Websites!"

Klingt gut, ist aber riskant. Grund: Google mag keine duplizierten Inhalte. Erscheint ein und derselbe Text auf vielen Websites, kann das für Google ein negatives Signal sein.

Auch hier mein Rat, dieses Risiko bei euren Online-PR-Aktivitäten im Hinterkopf zu behalten.

4. Presseportale und Journalisten


Nutzen Journalisten Presseportale?
(Extra! Extra! von Mike Licht unter CC BY 2.0)

Hier überschlagen sich die Presseportal-Betreiber gerne: Wen man nicht alles erreichen würde, wenn man denn auf Portal XY seine Pressemeldung einstellt! Sämtliche Chefredakteure Kontinentaleuropas und vermutlich obendrein noch den Papst.

Bitte die Kirche im Dorf lassen: Richtig ist, dass Journalisten stets nach Storys suchen. Aber dafür durchforsten sie nicht jedes Feld-Wald-und-Wiesen-Presseportal im Netz. Wenn ihr eure Pressearbeit präzise und effizient betreiben wollt, ist ein gut recherchierter, von Hand angelegter, personalisierter und regelmäßig gepflegter E-Mail-Presseverteiler nach wie vor das Maß der Dinge.

Online-Presseportale können hier nur ein Verstärker sein, da sie nach dem Gießkannen-Prinzip vorgehen: Sie streuen die Meldung breit und unpersönlich, in der Hoffnung, dass User und Journalisten sie lesen.

Fazit: 6 SEO-Regeln für eure Online-PR

Was solltet ihr beim Thema Online-Pressemeldung also beachten? Meine Tipps:

1. Pressemeldungen immer und ausschließlich für Journalisten und User schreiben, niemals für Suchmaschinen.

2. Nur wenige, sorgfältig ausgewählte Presseportale nutzen (Sichtbarkeit testen – siehe oben).

3. Vor Veröffentlichung beim Presseportal-Betreiber klären, ob die Links in der Pressemeldung auf "nofollow" gesetzt sind.

➧ "nofollow" ist ein Signal an Google, einen Link nicht als Backlink zu werten. So beugt ihr einer Abstrafung wegen unnatürlichen Linkaufbaus vor (siehe oben).

➧ Überprüfen könnt ihr die "nofollow"-Auszeichnung mit einem Rechtsklick auf den jeweiligen Link und einem weiteren Klick auf "Untersuchen".

4. Jedes Presseportal-Angebot sehr kritisch prüfen.

5. In Sachen "Google und Presseportale" up to date bleiben: Die Kollegen von seo-suedwest.de und Suchradar checken die Lage ab und an.

6. Immer bedenken: Ein manuell erstellter und gepflegter E-Mail-Presseverteiler ist immer noch das Nonplusultra, wenn ihr ernsthafte und professionelle Pressearbeit betreiben wollt.

    Viel Erfolg! ;-)

    Kommentare

    Hans Kolpak hat gesagt…
    Zeitungsartikel geistern hundertfach identisch im Netz herum, weil die Redaktionen sie von einer Handvoll Presseagenturen kopiert haben. Ich merke nichts davon, dass die Internetadressen von Zeitungen deshalb abgestraft werden.

    Hans Kolpak
    Pressetexte
    Irina hat gesagt…
    Hallo Mathias,

    vielen Dank für den tollen Beitrag. Bezugnehmend zu dem Thema "Sichtbarkeit von Online-Pressemitteilungen im Google-Ranking" möchte ich Dir unsere Sichtbarkeitsstudie empfehlen: https://www.pr-gateway.de/blog/studie-mit-online-pressemitteilungen-zu-mehr-reichweite-im-internet/

    Wir wollten genau wissen, wie sich die Veröffentlichung von Online-Pressemitteilungen auf das Google-Ranking auswirkt und haben deshalb untersucht, welches Potential in der weitreichenden Veröffentlichung von Online-Pressemitteilungen über Presseportale steckt.

    Für die Sichtbarkeitsstudie wurden bei 120 Online-Pressemitteilungen 2 bis 3 Keywords bzw. Keywordphrasen identifiziert. Anschließend wurde nach diesen Keywords und Keywordphrasen bei Google gesucht, um festzustellen, wie häufig die veröffentlichte Online-Pressemitteilung unter den verwendeten Keywords auf der 1. Seite bei Google gefunden wird.

    Ich würde mich freuen, wenn Du Dir die Sichtbarkeitsstudie einmal genauer anschaust.

    Liebe Grüße,
    Irina

    Mathias Sauermann

    Mathias Sauermann
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