Digitalisierung der Wirtschaft (2): Das Internet der Dinge

Internet der Dinge – Internet of Things – IoT: Wofür stehen diese Begriffe und wie wirken sie sich auf Unternehmen, Wirtschaft und unseren Alltag aus? Ein Blick in die Gegenwart und Zukunft der Digitalisierung.

Der erste Teil meiner Artikelreihe erklärte die Fachbegriffe rund um das Thema "Digitalisierung der Wirtschaft". In diesem zweiten Teil möchte ich die Grundlage der digitalen Transformation genauer beleuchten: das Internet der Dinge.


Internet der Dinge: Definition und Beispiele.
Das Internet der Dinge: (Fast) alles ist online und vernetzt.
(Network, IoT, Internet of Things unter CC0 1.0)

Was ist das Internet der Dinge?

Wenn wir heute von "Internet" oder "online" sprechen, denken wir an PCs, Smartphones und Tablets.

Was aber, wenn jeder Gegenstand (jedes "Ding") online gehen könnte, weil in ihm Kleinstcomputer und Sensoren arbeiten? Dann hätten wir das (teils schon existierende) "Internet der Dinge" (engl. Internet of Things oder kurz IoT).

Bosch geht davon aus, dass bis 2022 weltweit zirka 14 Milliarden Geräte im Internet der Dinge vernetzt sein werden.

Beispiele für das Internet der Dinge

1. Wearables

Wearables sind am Körper tragbare Computersysteme: Mittels Sensoren und Mini-Computern überwachen zum Beispiel Armbänder, Uhren (sog. Smartwatches) oder Kleidungsstücke eure Vitalfunktionen oder Schlafphasen.

Weiteres Beispiel: Dank internetfähiger Brillen könnt ihr unterwegs im Netz surfen, ohne auf das Smartphone starren zu müssen.

Wearables: am Körper tragbare Computertechnik.
(Video Glasses unter CC0 1.0)

Wearables könnten auch Leben retten: Jährlich sterben in Deutschland rund 300 Babys durch den plötzlichen Kindstod (engl. Sudden Infant Death Syndrome, SIDS)...

...mit Mini-Computern und Sensoren ausgestattete Babywäsche könnte künftig Herzaktivität und Bewegungen des kleinen Menschen messen und im Notfall Alarm schlagen.


2. Der mitdenkende Kühlschrank

Die Vorräte im Gefrierfach neigen sich dem Ende zu? Der mit Kleinstcomputer und Sensoren ausgestattete Kühlschrank der Zukunft registriert das und schickt euch die Info auf euren digitalen Einkaufszettel – oder bestellt die Lebensmittel gleich eigenständig online.


Internet der Dinge: der mitdenkende Kühlschrank.
(Refrigerator unter CC0 1.0)

Erfolgversprechende Diät-Pläne lassen sich sicherlich auch programmieren. ;-)


3. Der kassenlose Supermarkt

Alle Waren des Supermarktes der Zukunft verfügen über Mikrochips. Statt wie bisher den Einkauf aus dem Wagen auf das Band und wieder in den Wagen zu legen, lauft ihr mit eurem vollen Wagen durch einen Scanner-Bereich. Dieser erfasst euren Einkauf automatisch und berechnet den Preis.

Ihr bezahlt bequem per Smartphone oder später per Kontoabbuchung. Warteschlangen an den Kassen sind passé.


4. Onlinegestützte Alten- und Krankenpflege

Sensoren und Mini-Computer in den Zimmermöbeln pflegebedürftiger Menschen kontrollieren deren Gesundheitszustand, ohne dass Pflegepersonal anwesend sein muss.

Im Notfall werden die Pflegekräfte online alarmiert.


5. Smart Home

Das intelligente/vernetzte Zuhause: In Haus und Wohnung überwachen Sensoren und internetfähige Zähler (Smart Meter) eure vier Wände. Temperatur sowie Strom- und Wasserverbrauch werden automatisch optimiert.

Gleichzeitig sind PC/Laptop, HiFi-Anlage, TV, Klima-Anlage, Beleuchtung und Küchengeräte miteinander vernetzt.


Smart Home: das vernetzte Haus.
Smart Home: Alle "Vitalfunktionen" eurer vier Wände auf einen Blick.
(Samsung von CODE_n unter CC BY 2.0)

All diese Prozesse und Programme sind in einem übergeordneten Betriebssystem organisiert: Haus und Wohnung sind zum Computer geworden.

Das Internet der Dinge & die digitale Transformation

Diese fünf Beispiele klingen vielleicht recht witzig, pfiffig und futuristisch – das soll aber nicht über die beinharten volks- und betriebswirtschaftliche Auswirkungen hinwegtäuschen...

...nehmen wir das Beispiel vom mitdenkenden Kühlschrank (siehe oben unter 2.): Bislang musste sich ein traditioneller Kühlschrank-Hersteller in seiner Produktion nicht allzu intensiv mit dem Thema Internetfähigkeit auseinandersetzen.

Jedoch wird er das tun müssen, wenn er auch künftig wettbewerbsfähige Geräte bauen will. Das wirft einige dringliche Fragen auf:

➧ Besitzt der Kühlschrank-Hersteller das nötige IoT-Knowhow?

➧ Will er dieses Knowhow inhouse aufbauen – oder mit anderen Unternehmen kooperieren?

➧ Kann er seine neue Produktwelt erfolgreich und zeitnah zur Marktreife bringen?
 
Die digitale Transformation verändert alles.
Die digitale Transformation ist in vollem Gange.
(Change unter CC0 1.0)

Ein ähnliches Szenario haben wir im Bereich der Wearables (siehe oben unter 1.): Textilindustrie und Sportartikelhersteller müssen sich mit Software und Sensorik beschäftigen, wenn sie auch künftig wettbewerbsfähige Produkte bieten wollen.

Nehmen wir weiterhin das Beispiel Smart Home (s.o. unter 5.):

Viele traditionelle Hersteller von Klima-Anlagen hatten mit dem Markt der HiFi-Anlagen bislang wohl eher wenig zu tun. In den meisten Haushalten sind die Bereiche Klimatisierung und TV/Audio/Video heute noch getrennte Welten.

Das Internet der Dinge wird auch hier neue Wettbewerbssituationen schaffen:

➧ Wenn Klima- und Hifi-Anlage in dasselbe Betriebssystem eingebettet sind, welches Unternehmen hat dann den prozessualen Hut auf?

➧ Wie erreicht man eine reibungslose Kompatibilität zwischen den Geräten?

➧ Oder werden sich die Beteiligten einem dritten Player unterordnen müssen, der (ähnlich wie Google mit Android im Smartphone-Sektor) den Bereich der Smart-Home-Betriebssysteme dominieren wird?

➧ Interessante Randnotiz: Die Elektronik-Hersteller LG, Samsung und Panasonic bieten bereits heute etliche Komponenten, die ein Smart Home umfassend einrichten würden: TV/Audio/Video, Haushaltsgeräte, Klimatisierung, Beleuchtung. Bei Sony dagegen sucht man zum Beispiel Kühlschränke (noch) vergebens.

All diese Beispiele zeigen: Die meisten (wenn nicht alle) Unternehmen müssen sich der digitalen Transformation stellen und ihre Geschäftsmodelle überprüfen.

Sicher ist: Märkte werden sich fundamental ändern und es werden völlig neue Wettbewerbssituationen mit neuen Playern entstehen.

Wer diese Entwicklungen ignoriert, wird ein ähnliches Schicksal erleiden wie die einstigen Fotografie-Giganten Kodak und Agfa: Sie verschliefen die Digitalisierung, bis sie in ihrem Kerngeschäft schließlich nicht mehr wettbewerbsfähig waren.

Internet der Dinge: Die Digitalisierung schreitet voran

Ich hoffe, es ist deutlich geworden, dass es beim Internet der Dinge um weit mehr geht als um technische Spielereien oder Alltagserleichterungen:

Betriebs- und volkswirtschaftlich ist die "schöpferische Zerstörung" in vollem Gange.

Es werden nur die Unternehmen überleben und erfolgreich sein, die höchst anpassungsbereit und anpassungsfähig sind. Dieses analoge Naturgesetz gilt auch für das digitale Zeitalter.

Meinungen, Fragen, Ergänzungen? Ich freue mich auf euer Feedback.


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Mathias Sauermann

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