SEO-Zeitreise: Google auf dem Weg zur künstlichen Intelligenz

Der US-Blog "Search Engine Land" beleuchtete jüngst, wie sich die Suchmaschinenoptimierung (SEO) in den letzten zehn Jahren verändert hat. Das rief Erinnerungen in mir wach. Begleitet mich auf eine kleine Zeitreise.

So entwickelten sich Google & SEO.
(Search unter CC0 1.0)

Verglichen mit anderen Online-Marketing-Disziplinen wandelt sich SEO oft, schnell und gravierend: Google schraubt permanent an seinem Algorithmus, was sich stets auch auf die SEO-Techniken auswirkt.

Mein SEO-Leben begann 2007: Damals war ich frischgebackener Online-Redakteur bei einem Augsburger Online-Vergleichsportal für Finanzen und Versicherungen. Wie Suchmaschinenoptimierung damals aussah? Sie umfasste Techniken, die heute nostalgisches Kopfschütteln hervorrufen – zu dem Zeitpunkt aber fester Bestandteil des SEO-Kanons waren.

Bereit? Fluxkompensator aktiviert, DeLorean gestartet, Datum eingegeben, bitte anschnallen – wir wagen den Zeitsprung!

So rasant entwickelte sich SEO in den letzten Jahren

> 1. Von der Keyword-Bleiwüste (2007) zum High-Quality-Content (2017)

2007 bedeutete SEO im Content-Bereich häufig noch: Google ist wichtiger als der User. Die Folge waren mit Keywords und Links vollgestopfte Texte, die so leserfreundlich waren wie die Steuererklärung eines Papageis.

Auch solche "Späße" wie hellgraue Keyword-Ansammlungen auf weißem Grund oder vor Keywords berstende Footer-Bereiche waren damals gängig.

Spätestens seit den Google-Updates Panda (2011) und Pinguin (2012) gehen diese Low-Quality-Rechnungen nicht mehr auf: Wer heute mit Keywords überdosierte Pseudo-Texte online stellt, verscherzt es sich mit dem Suchmaschinenriesen.


> 2. Vom Link-Geschacher (2007) zur Link-Empfehlung (2017)

Warum Google (fast) alle anderen Suchmaschinenbetreiber ausstach? Unter anderem, weil sein Such-Algorithmus intelligenter arbeitet. Während Yahoo, Lycos, AltaVista & Co. nur zählten, wie viele Links von außen auf eine Website verweisen, fragte Google zusätzlich:

Wie hochwertig sind die Websites, von denen diese Links kommen?

Heißt in der Praxis: Wenn Spiegel Online oder eine Universitäts-Seite auf euch verlinken, belohnt Google eure Website mit guten Rankings. Wenn eine mit Schadsoftware verseuchte Glücksspielseite aus Krakosien auf euch verlinkt, sackt eure Website im Google-Ranking ab.

Ungeachtet dieser Qualitätsfrage gab es in den 2000er Jahren einen florierenden Link-Handel – gemäß dem Geschäftsmodell: "Gibst du mir [xy] Euro, besorge ich dir [xy] Backlinks"...


SEO: Backlink-Kauf lohnt sich nicht mehr.
(Money unter CC0 1.0)

2007 konnte Google kaum erkennen, ob ein Link als echte Empfehlung gesetzt wurde – oder ob im Hintergrund ein Deal stattgefunden hatte. Die Folgen: Um gute Rankings zu erzielen, betrieben viele Website-Betreiber unter anderem
  • massives Link-Geschacher 
  • sowie Link-Spamming in Blog-Kommentarfeldern, Artikelverzeichnissen, Online-Presseportalen, etc.

Heute gelingt es Google sehr viel besser, unnatürliche Link-Muster zu erkennen. Etliche Websites mussten schmerzhafte Rankingverluste hinnehmen, weil sie massiv das genutzt hatten, was Google Linktauschprogramme nennt.


> 3. Von simplen Treffer-Listen (2007) zu Universal & Extended Search (2017)

SERP steht für Search Engine Result Pages (Suchmaschinen-Ergebnisseiten) – und diese haben sich bei Google im Laufe der Jahre deutlich weiterentwickelt (für eine größere Ansicht bitte ins Bild klicken):


Googles Extended Search
Ein Beispiel für Googles Extended Search.

2007 gab es meist eine einfache Liste mit blauen Links, heute sind wir im Zeitalter von Universal & Extended Search angekommen – was auch die Suchmaschinenoptimierung deutlich anspruchsvoller macht.


> 4. Vom tragbaren Telefon (2007) zum High-End-Smartphone (2017)

2007 führte Apple das iPhone ein und ermöglichte so den Siegeszug des mobilen Surfens: 2011 lag der Anteil der mobilen Internetnutzer (Smartphone/Tablet) in Deutschland bei acht Prozent, 2016 sind es 56 Prozent – Tendenz steigend.

Aus SEO-Sicht heißt das: 2007 war Mobiloptimierung kein Thema, heute ist sie ein äußerst wichtiger Aspekt der Suchmaschinenoptimierung.

Fazit: Google strebt Richtung künstliche Intelligenz

Google auf dem Weg zur künstlichen Intelligenz.
(Robot unter CC0 1.0)

Ein Bild, das ich gerne in meinen SEO-Seminaren bemühe:

➧ Google war in seiner Anfangszeit ein überfordertes Baby, dem es sehr schwerfiel, die Qualität von Websites einzuschätzen.

➧ Zwischenzeitlich erreichte die Suchmaschine kognitives Kleinkind-Niveau und konnte deutlich besser die Spreu vom Weizen trennen. 

➧ 2016/2017 ist Google bereits den Kleinkind-Schuhen entwachsen: Es versteht immer besser und ganzheitlicher, was eine Website bietet.
Wohin die Reise geht? Richtung künstliche Intelligenz (KI): Alles, was Google versucht, ist eine Website mit den Augen eines menschlichen Users zu sehen – und zu bewerten.

Die SEO-Evolution ist in vollem Gange. Bleibt nur die Frage, wie wir das Web in fünf, zehn oder 15 Jahren nutzen – und ob dann klassische Suchmaschinen überhaupt noch nötig sind...

To be continued. ;-)

Quelle & Link-Tipp:

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Mathias Sauermann

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